Foto: Christoph Grygo, Krutyn
Foto: Christoph Grygo,Krutyn

Masurenreise

 

 

Einladung zur Masurenreise 2018
 

Die nächste Masuren-Studienreise 2018 vom Verein Freunde Masurens e. V.  mit Pastor Tegler und Kerstin Harms nach Masuren (Polen), Königsberg/Cranz (Russland) und Kurische Nehrung (Litauen) findet statt vom

16.06. bis 27.06.2018

 

Es ist eine Studienfahrt, die von Scharnebeck bei Lüneburg über Gnesen, Thorn, Osterode und Allenstein  nach Sensburg führt, mit acht Übernachtungen dort.

Seit über 25 Jahren ist Pastor Tegler  Ehrenbürger seiner Heimatstadt Sensburg.

Auf dem Programm stehen u.a. Besichtigungen von Lötzen, Rhein, Allenstein, Osterode, Nikolaiken, Rucziane – Nida, Eckersdorf, Rössel, Rastenburg, Heiligelinde, Hohenstein, der Wolfsschanze, der geneigten Ebene, der Marienburg u.v.m.

Eine zweitägige Fahrt (für Freiwillige) nach Königsberg/ Cranz (Russland) und auf die Kurische Nehrung (Litauen) stehen ebenso auf dem Programm wie Gottesdienste und Konzertbesuche, Kontakte zu der Deutschen Minderheit, Lagerfeuer, Kutsch-  und Schifffahrt  sowie einer Stakerfahrt auf der Kruttinna. Es soll aber auch genügend Zeit für persönliche Ausflüge in die eigene Vergangenheit geben.

Auf der Rückfahrt besuchen wir Danzig und Stettin.

                                                        

Kosten:  für 12 Tage mit HP im DZ, allen Fahrten ab Scharnebeck, Besichtigungen, Eintrittsgelder, ein Mittagessen, zweimal Kaffee und Kuchen, Schiff- und Stakerfahrt sowie Kutschfahrt zu der sog. „Masurischen Hochzeit“ u. v. m.

 

nur 990,00 €

 

Das ist vielleicht auf den ersten Blick viel Geld, aber aus eigener Erfahrung ist es immer noch 250,00 € günstiger als über ein Reisebüro – weil es uns nicht um den Verdienst, sondern um die Freude geht, die wir unseren Mitreisenden machen wollen.   

Dazu kommt aber noch ein Einzelzimmerzuschlag, ca. 20,-€ pro Nacht. Sollten Sie den zweitägigen Ausflug nach Königsberg (Russland) und auf die Kurische Nehrung (Litauen) mitmachen, kommen für das Visum 90,-€  sowie für die Übernachtung in Litauen und den Bus ca. 150,- dazu.

Für Auswärtige besteht die Möglichkeit in Scharnebeck zu übernachten.

 

Einladung Masurenfahrt 2018.pdf
PDF-Dokument [379.2 KB]
Anmeldung 2018.pdf
PDF-Dokument [204.3 KB]
Kurzprogramm 2017.pdf
PDF-Dokument [320.7 KB]
Reisebericht_Masuren_2017.pdf
PDF-Dokument [914.8 KB]

Lob und Dank

 

Liebe Kerstin,

etwas spät - aber nicht minder herzlich - möchte ich mich bei Dir und Pastor Tegler für diesen gelungenen, nachhaltigen Wiedersehens-Sonntag bedanken. - Die Reise wirkt so vielfältig und ruft vergrabene Erinnerungen hervor. Sie wirken vor allem auch daran mit, das Heute verändert zu sehen, zu verstehen und mit anderer Urteilskraft einzuordnen.

Mancher muß ganz schön alt werden, um zu erfahren, wie notwendig friedliche und liebevolle Begegnungen sind, um eine Offenheit füreinander ermöglichen.

So verdanke ich dieser Reise unendlich viel - auch innerhalb der eigenen Familie, die ja aus einem Rittergut in der Nähe Bartensteins stammt.

Nochmals sehr, sehr herzlichen Dank für alle Vor- und Nachbereitungen des Treffens -  auch für den Gottesdienst, der so klar die Verbindung zwischen Dankbarkeit und Zufriedenheit ansprach.

Bleibt behütet und wohl behalten mit vielen guten Wünschen - auch gesundheitlich -  und mit herzlichen Grüßen von Helga Henze

Masurenreise 2017

 

Kurzprogramm von der Masurenreise mit Bildern

 

Montag, 19. Juni:  Abfahrt um 7.00 Uhr vom großen Parkplatz am Schiffshebewerk in Scharnebeck, Adendorfer Straße 40. Fahrt über Berliner Ring zum Grenzübergang Frankfurt an der Oder. Ankunft in Gniezno (Gnesen)  ca. 17.00 Uhr.

Um 17.00 Uhr Abendandacht und Besichtigung der Kathedrale von Gniezno (Gnesen) mit Erzbischof Prof. Dr. Muszyński, dem ehemaligen Primas von Polen.

Abendessen und Übernachtung im Hotel  „Starej Kamienicy“.

Gemütliches Beisammensein mit polnischer volkstümlicher Musik.

Gäste u.a. Erzbischof Prof. Dr. Muszyński und Dr. Andrzej Białczyk.

 

Bilder: Dom von Gniezno/ Gnesen und Spaziergang durch Gniezno

 

Dienstag, 20. Juni:  Fahrt nach Toruń (Thorn) mit kleinem Stadtrundgang. Hier gibt es anschließend einen Imbiss vom Busfahrer. Weiterfahrt über Olsztyn (Allenstein) nach Mrągowo (Sensburg).

Ankunft ca. 19.00 Uhr, Abendessen.Hier beziehen wir für die nächsten acht Tage und Nächte Quartier im Hotel PANORAMIC – OSCAR am Ufer des Schoß Sees

 

Bild: Gruppe vor Kopernikus in Toruń/ Thorn

Mittwoch, 21. Juni:  Fahrt nach Święta Lipka (Heilige Linde).

Besichtigung und Orgelkonzert. Stadt- und Burgbesichtigung in Reszel (Rössel) sowie Treffen mit dem dortigen katholischen Prälaten in der katholischen Kirche. Schlossbesichtigung in Łęźajny (Lossainen), mit Kaffeetrinken. Kurzbesuch in Warpuny (Warpuhnen).

Freier Nachmittag oder Stadtrundgang durch Mrągowo (Sensburg) mit Pastor Tegler.

Abends Kutschfahrt verbunden mit einer „Masurischen Hochzeit“ in der Johannisburger Heide mit reichhaltigem Abendessen.

 

Bild: Die Reisegruppe vor Święta Lipka (Heilige Linde).

Pastor Tegler und der Prälat Wyrostek segnen und weihen die "neue" alte Haupteingangstür in der Kirche in Warpuny /Warpuhnen ein. Die Reisegruppe singt "Großer Gott wir loben dich..."

Donnerstag, 22. Juni: Fahrt nach Kętrzyn (Rastenburg). Stadtbesichtigung mit Pastor Hause.

Danach Besuch der Wolfsschanze in Gierłoż (Görlitz).

Fahrt über Sztynort (Steinort) zum Heldenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg bei Węgorzewo (Angerburg). Anschließend geht es nach Giźycko (Lötzen). Kaffeetrinken bei der Deutschen Minderheit und anschließend Stadtrundfahrt.

 

Bild: Ehemaliges Schloß der Lehndorffs in Sztynort (Steinort)

Freitag,  23. Juni:  Olsztyn (Allenstein) Stadtbesichtigung und freie Zeit dort.

Besuch des Freilichtmuseums in Olsztynek (Hohenstein).

17.00 Vortrag im Rahmen der „Sorquittener Gespräche“ mit dem Thema: Schlösser in Ostpreußen am Beispiel von Nakomiady/ Eichmedien von Chr. von Redecker.

 

Bild: Christian von Redecker bei seinem Vortrag vor 150 Gästen in der neu umgebauten Scheune in Sorkwity/ Sorquitten

Samstag, 24. Juni: Tagesfahrt nach Kaliningrad (Königsberg) und Selenogradsk (Cranz). Für die anderen Mitreisenden steht der Tag zur freien Verfügung. Erholung oder Fahrten in die eigene Vergangenheit. (Deutschsprachige Taxifahrer werden von uns vermittelt.)

 

Bild: Kaliningrad (Königsberg) und Selenogradsk (Cranz) bei Regen wie man sieht

Sonntag, 25. Juni:  Festlicher Gottesdienst mit Feier des Heiligen Abendmahls

in Sorkwity (Sorquitten). Anschließend dort  Mittagessen (im Reisepreis enthalten)

Rückfahrt zum Hotel, der Nachmittag steht zur freien Verfügung….

oder Interessierte können mit nach Ryn (Rhein) zur Kranzniederlegung fahren,

Kaffee oder Biertrinken in der neurenovierten Mühle in Ryn oder Besuch am Schloss von Nakomiady/ Eichmedien.

Nach dem Abendessen Spaziergang zur Liebesquelle mit Singen von Volksliedern.

 

Bild: Die Reisegruppe vor der Kirche in Sorkwity/ Soquitten nach dem festlichen Gottesdienst.

Ein Teil vom Garten und das Schloß in Nakomiady/ Eichmedien

Montag, 26. Juni:  Besuch des Geburtshauses von Ernst Wiechert in Piersławek (Kleinort) und den Gräbern seiner Frau und seines Sohnes.

Fahrt nach Gałkowo (Nickelshorst). Dort Besichtigung des Salons der Marion Gräfin Dönhoff im historischen Bau. Alexander Graf Potocki hat diese Ruine aus dem 19. Jahrhundert von Sztynort (Steinort), dem Sitz der Grafen Lehndorff, in die Johannisburger Heide versetzt.

Anschließend Fahrt mit Pferdewagen durch Wiesen und Wälder nach Krutynia (Kruttinnen). Mittagessen in einem Restaurant direkt an der Kruttinna. (Selbstzahler, nicht im Preis enthalten, ca. 15,- €). Spaziergang durch den Masurischen Nationalpark in Krutynia (Kruttinnen) sowie Stakerfahrt auf dem romantischen Kruttinna – Fluss, dem schönsten Fluss Ostpreußens.

Besuch in der Westernstadt „City Mrongoville“ in Mrągowo (Sensburg).

 

Bild: Besuch im Geburtshaus von Ernst Wiechert. Stakerfahrt

Dienstag, 27. Juni:  Besichtigungen in Wojnowo (Eckertsdorf) und insbesondere des Philipponen - Klosters in Wojnowo (Eckertsdorf). Schifffahrt von Ruciane-Nida (Niedersee) nach Mikołajki (Nikolaiken). Spaziergang durch das masurische Venedig mit freier Zeit. Freier Nachmittag.

Abends - Abschiedsabend mit Tanz und Musik in unserem Hotel.

 

Bild: In Wojnowo (Eckertsdorf) und auf dem Schiff bei bestem Wetter

Mittwoch, 28. Juni: Abschied nehmen von Mrągowo (Sensburg), Schifffahrt auf dem Oberländischen Kanal (Selbstzahler, nicht im Reisepreis enthalten ca. 15,-€)

Fahrt über Olsztyn (Allenstein) und Ostróda (Osterode) nach Frombork (Frauenburg) mit Besichtigung der Kopernikus-Stadt und der Kathedrale von Ermland.

Anschließend  Malbork (Marienburg) mit Übernachtung dort im Hotel Dedal Malborku (Tel. 0048 55 2723137) Nach dem Abendessen Besichtigung der Marienburg bei Nacht.

 

Bild: Kathedrale von Frombork (Frauenburg) und auf dem Oberländischen Kanal

Donnerstag, 29. Juni:  Stadtbesichtigung in Gdańsk (Danzig). Freie Zeit dort ca. 1 Stunde, Imbiss am Bus ca. 14.00 Uhr. Weiterfahrt entlang der Ostseeküste über Lębork (Lauenburg), Słupsk (Stolp) und Koszalin (Köslin) nach Kołobrzeg (Kolberg), dort Übernachtung im Hotel SOLNY (Tel. 0048 (94) 35 45 700)

Freitag, 30. Juni:  Nach dem Frühstück Fahrt nach Szczecin (Stettin) mit Stadtbesichtigung und Mittagessen (Selbstzahler, nicht im Reisepreis enthalten) Das letzte polnische Geld können wir auf dem sog. „Polenmarkt“ ausgeben.

Ankunft in Scharnebeck um ca. 20.00 Uhr.

Hier sehen Sie einige Impressionen der letzten Masurenreise 2016

 

 

Großer Reisebericht von Friedrich Jacob über die diesjährige Masurenreise 2016
(Dieser Bericht wurde auf vier Seiten mit 12 Bildern in der Bleckeder Zeitung abgedruckt. Vielen lieben Dank an Herrn Schötteldreyer von der BZ)

Masurenstudienfahrt mit Pastor Fryderyk Tegler vom 19.06. – 30.06.2016

Der Weg nach Mauren ist weit ... ,
aber trotzdem fand ich mich am Sonntag, dem 19.06.2016 erwartungsvoll mit 49 Gleichgesinnten, einschließlich der beiden Reiseleiter - Pastor Fryderyk Tegler und Kerstin Harms -, am Schiffshebewerk in Scharnebeck ein, so dass der Bus pünktlich um 7 Uhr gen Gniezno / Gnesen, dem ersten Etappenziel, starten konnte. Noch müde und schläfrig, der trübe Himmel und die für die Reise günstigen 17° C unterstützten das einträchtig, döste ich wie etliche andere auch so vor mich hin, als plötzlich durch den Lautsprecher direkt über mir die heiligen Worte „Einer trage des anderen Last“ tönten und mich aus meinen Träumen riss. Die Sonntagsandacht hatte begonnen (19.6. = Sonntag) und der Pastor legte uns dann die Bedeutung dieser Losung des Tages für unsere weitere Reise aus. Gesang und Gebet folgten dem selbstverständlich und ließen mich ahnen, was so täglich auf uns zukommen sollte. Da nahm ich denn schnell die von Kerstin Harms liebevoll und ausführlich vorbereitete Reisemappe, die jeder von uns mit eigenem Namen und Namensschild erhalten hatte, zur Hand und studierte den angekündigten Reiseablauf gewissenhaft. Nach pädagogisch verordnetem Brückenzählen (es waren 99, wovon ich aber 52 verschlafen hatte, weil die Außentemperatur zwischendurch mit 36 °C angegeben wurde), erreichten wir dank günstiger Verkehrsbedingungen dann schon gegen 15 Uhr den ersten Zielort Gniezno / Gnesen. Empfangen vom Kanzler des Erzbistums Dr. Andrzej Białczyk bezogen wir die Hotels und fanden uns dann um 5 pm zur Abendandacht im Dom ein. Jetzt staunte ich nicht schlecht, als der angekündigte Erzbischof Prof. Dr. Muszyński wirklich erschien und uns in deutscher Ansprache über die Geschichte dieser Kirche, dieser Stadt und dieses Landes aufklärte. 2016 ist nämlich der 1050-te Geburtstag der katholischen Kirche in Polen und damit auch der 1050-te des Landes, da Gniezno auch Krönungsstadt der polnischen Könige war. Heute feiern Volk, Kirche und Staat einträchtig diesen Geburtstag, das war 1966 noch ganz anders! Nach der Andacht ging es dann in Begleitung des Kanzlers durch die Altstadt zum Abendessen ins Hotel. Auch hier beeindruckte mich der vielbelesene und gebildete Bischof, der sich stets um Aussöhnung der Polen und der Deutschen bemüht hat, als er uns von einem katholischen deutschen Soldaten erzählte, der die Reliquie des heiligen Adalbert aus dem Dom von Gnesen vor dem Raub durch die Nazis gerettet hatte. Dazu wurde uns auch eine DVD mit einem Film, der daran erinnern soll, ausgeliehen und später im Bus unterwegs gezeigt. Das Essen wurde umrahmt von der Volkstanzgruppe Wiwaty.

Am Montag (20.6.16) fuhren wir früh ab und machten die nächste Station in Torun (Thorn) und nahmen an einer Stadtführung teil, nachdem es dem Busfahrer mit Polizeigeleit gelungen war, den Verabredungsort Weichselbrücke zu erreichen. Dabei durfte ich die Erfahrung machen, dass unser polnischer Stadtbegleiter und alle späteren auch äußerst höfliche Menschen waren. Er leitete seine „lieben Gäste“ bedauerlicherweise bei Regen am schiefen Turm und dem Kopernikusdenkmal (hier vor 540 Jahren geboren) vorbei zum Rathaus und dem Marktplatz. Diese schöne alte Stadt an der Weichsel hat nur wenig Zerstörung erlebt, sie wurde 1997 zum Weltkulturerbe erklärt. Nach Würstchen und Katharinchen (365-Tages-Lebkuchen-Spezialität) ging es weiter (13 Uhr) Richtung Allenstein. Rund 4 Stunden später hielten wir in Sorkwity /Sorquitten, an der Grenze von Ermland und Masuren gelegen, und wurden dort von Pastor Mutschmann nahe der späteren Konfirmations-Kirche begrüßt. Die geplante Andacht am See wurde wegen der nassen Witterung im Bus abgehalten. Eine halbe Stunde vor dem Abendessen erreichten wir das Hotel am Czos-See, einem der Stadtseen von Mrągowo. Beim Abendessen wurden uns dann die Freunde des Pastors, der Landtagspräsident Julian Osiecki und seine Frau Jadwiga, die Stadtdirektorin von Mrągowo / Sensburg, vorgestellt. Davor hatte uns Herr Osiecki im Bus herzlich in Mrągowo / Sensburg begrüßt und wünschte der Gruppe einen schönen Aufenthalt in Ermland und Masuren. Sie begleiteten uns auf den meisten Ausflügen oder gesellten sich abends dazu.

Der Dienstag (21.06.16) begann mit 16° kalten und trüben Wetter. Nach der morgendlichen Andacht auf dem Parkplatz empfing uns die Klosterführerin an der Wallfahrtskirche Święta Lipka / Heilige Linde. Noch während der ausführlichen Einführung in die historische und kirchliche Entwicklung zur Wallfahrtskirche wartete ich ungeduldig auf das Orgelkonzert an der einmaligen Barockorgel mit den vielen beweglichen Figuren, Engeln und Heiligen mit Instrumenten, Sonnenkranz und Schlagzeugen. Schwester Agnes, eine von den letzten 4 Ordensschwestern des nachbarlichen Klosters, ist ausgebildete Organistin und spielte uns u.a. die Toccata von Bach und ein Ave Maria, je nach Registerauswahl bewegten sich einige oder alle Figuren im Konzertrhythmus.
Weiter ging es zum nahe gelegenen Reszel / Rössel über die Grenze ins Ermland, der Wegrand gesäumt von zahlreichen Wallfahrtskapellen. Die Führung durchs mittelalterliche Städtchen begann mit der Besichtigung der alten Bischofsburg, einem massiven Backsteinbau mit einer runden Bastei und einem quadratischen Torturm. Die Besteigung des Basteiturms mit seinen dunklen ungleichmäßigen Treppenstufen (gezählt 126) war anstrengend, wurde aber durch den weiten Blick über die Stadt und Landschaft entlohnt.
Nach der Besichtigung der Peter & Paul Kirche überraschten wir Pastor Tegler, als er aus dem Eiscafé gegenüber mit dem stellvertretenden Bürgermeister trat, woraufhin er selbst uns wiederum mit einer Eisspende beglückte. Die Vorstellung und Begrüßung des Stadtvertreters endete mit einem Gruppenfoto vor dem Rathaus. Die Fortsetzung der Fahrt führte uns zum Schloss Łęźajny / Lossainen, dem Sitz des 1909 geadelten Admirals Fischer von Lossainen. Die Führung zeigte uns den Empfangsraum, die Bibliothek, den Ballsaal und den Esssaal. Die (spärliche) Ausstattung - Möbel, Tapeten, Vorhänge, Bilder - wurde zurzeit vom polnischen Fernsehen umgestaltet (die Kaschuben hatten ja kein Schloss) für die Aufnahmen zu einer Fernsehserie über das teils tragische Leben der polnischen und deutschen Kaschuben, insbesondere zum Gedenken an die Opfer der Hinrichtung von 20000 Behinderten. Heute ist das Schloss das Gästehaus der Universität und nur Gruppen mit einem Leiter mit besonderen Beziehungen können dort Kaffee und Kuchen genießen.
Auf dem Rückweg machten wir einen Halt in Warpuny / Warpuhnen und besuchten die alte evangelische Kirche, die Pastor Tegler, der dort getauft, konfirmiert und getraut wurde, so sehr am Herzen liegt und für deren Erhaltung er und die Vereinsmitglieder sich seit Jahren einsetzen und bemühen. Der katholischen (!) Bürgermeisterin des Ortes, Justyna Gałka,  wurde der Dank ausgesprochen und eine Spende überreicht.
Anschließend fand für Interessierte eine Stadtführung durch Mrągowo / Sensburg statt. Pastor Tegler erklärte wichtige Punkte aus der Geschichte der Stadt, wie Kirchen, Rathaus, Landratsamt, Kulturhaus, die ehemalige Synagoge sowie die Denkmäler von Pastor Krzysztof Celestyn Mrongowiusz, dem Namensgeber der Stadt, und dem polnischen Papst…
Abends um 18:30 fuhr uns der Busfahrer nach Süden in die Johannesburger Heide, da begann der überraschende und aufregendste Teil der Reise - zumindest für mich!
Mitten am Wiesen- und Waldrand wurden wir von einer hübschen Amazone hoch zu Roß mit langen blonden Haaren und noch längeren schlanken Beinen, wie sich später herausstellte, gestoppt und auf drei Kutschwagen mit 6 Pferden, angeführt von der temperamentvollen Eulalia, begleitet von 2 Hunden und der wilden Reiterin Katharina, Volontärin aus Celle (ihre Mutter stammt aus dem Nachbardorf von Eulalias Tierhof) verladen. Kurz vor dem Ziel ein neuer Stopp und Eulalia gab bekannt, dass man zu einer Hochzeit lade, wobei aber das notwendige Paar erst von Amazone und Pferd auszuwählen seien. Im Nachbarwagen wurde Uschi ausgewählt, danach spürte ich plötzlich auch eine Pferdenase im Rücken und schwups war ich zwangsverheiratet. Diese Hochzeit startete nicht in einer Kirche mit Pastors Segen, sondern begann mit einem 5-Gänge-Menü in der Johannesburger Heide, nachdem uns Eulalia, die Temperamentvolle, ihren Reiterhof und ihre Stiftung erläutert hatte. Bald setzte Akkordeonmusik ein und zu den rhythmischen Schlägen des Schlagzeugs durfte das „Brautpaar“ den Tanzreigen eröffnen. Brauttanz mit Ausschwärmen, Hexentanz, Babywalk und Polonaisen, nebst Volkstanzeinlagen, rundeten diese masurische Hochzeit erlebnisreich ab. Leider wurden die Brautleute rechtzeitig genauso zwangsgetrennt, wie sie es anfangs anders herum erlebt hatten…

Der Mittwoch (22.6.16) führte uns nach Kętrzyn / Rastenburg, wo Kerstin Pastor Hause von zu Hause abholen musste, damit er uns die ehemalige evangelische Kirche, heute katholische Basilika, zeigen und ihre wechselvolle Geschichte darlegen konnte. Anschließend führte er uns in seine Kapelle, gleich in der Nachbarschaft gelegen, wo er seine evangelische Gemeinde versammelt. Zu seinem Kirchenbereich zählt er etwa 500 Mitglieder. Mit einem kurzen Orgelvorspiel wurde eine kurze Andacht von Pastor Tegler eingeleitet. Abschließend eine kleine Stadtrundfahrt.
11.00 Uhr Weiterfahrt zur Wolfsschanze, wo uns Jerzy Szynkowski zur Führung in Empfang nahm. Inzwischen war es sehr heiß und schwül geworden, das weckte auch gleich alle Mücken des Waldes zum Angriff auf, während der Gäste-Begleiter (sage niemals mehr „Führer“ an diesem Ort) uns eine ausführliche Geschichtsstunde über die letzten Tage in der Bunkeranlage gab. Außer alten, nur teilweise zerstörten enorm großen Betonklötzen gab´s nicht viel zu sehen, weil man nirgends hineingehen durfte und konnte. Deshalb zeigte er uns auch fast alle Bilder aus einem seiner Bücher. Trotz Handelssperre zeigte er sich auch als gewiefter Kofferraumhändler seiner zahlreichen Bücher, Reiseführer und Broschüren.
Auf der Fahrt nach Giźycko / Lötzen fotografierten wir noch das verfallene Schloss in Sztynort / Steinort des ehemaligen Widerstandskämpfers Graf Lehndorf.
Am See von Węgorzewo / Angerburg gedachten wir noch der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges beim Besuch des im Wald gelegenen Heldenfriedhofes. Kerstin spielte das Lied „Ich hatt einen Kameraden“, der Pastor hielt eine Andacht und Ehrenfried Adamzyk, der das 6. Mal die Fahrt mitmachte, legte ein Blumengebinde mit Schleife vom Verein Freunde Masurens e. V. nieder und wir beteten gemeinsam.
In Giźycko / Lötzen besuchten wir die dortige deutsche Minderheit. Im großen Kreis tranken wir gemeinsam Kaffee und durften uns am reichlich aufgetragenen Kuchen satt essen. Der Chor dieser deutschen Minderheit sang für uns alte deutsche Volkslieder, die unsere jungen Leute kaum noch kennen oder singen können. Mit einem gemeinsamen Lied aller Anwesenden schloss dieser musikalische Teil.
In ihrer Begrüßungsrede erläuterte uns die Vorsitzende Barbara Rużewicz die Lage, Nöte und Sorgen der deutschen Minderheit in Giźycko / Lötzen und der Umgebung. Dank Pastor Tegler und des Vereins der Freunde Masurens unter Leitung von Kerstin Harms haben sie bisher immer viel Unterstützung durch Güter und Spenden erhalten und werden es auch weiterhin bekommen. Auch wir sollten uns davor nicht verschließen und aktiv daran teilnehmen.
Nebenbei habe ich noch eine gute Nachricht erfahren: meine beiden reizenden Tischnachbarinnen haben mich nicht nur mit Leckereien verwöhnt, sondern mir auch Hoffnung auf eine Altenpflege gemacht, sollte ich mal gebrechlich werden…
Vor der abschließenden kleinen Stadtrundfahrt versuchte Pastor Tegler noch seinen Dank auszusprechen, doch die lustige Chorleiterin Ella fiel ihm ständig ins Wort und brachte ihn fast aus dem Konzept, was sonst wohl ziemlich schwer zu sein scheint.

Der Donnerstag, (23.6.16), unser 5.Tag, sollte ein schöner, warmer und ruhiger Tag werden. Zunächst rollte der Wagen nach Piersławek / Kleinort in den Wald zum alten restaurierten Forsthaus, wo der berühmteste deutsche Dichter Masurens, Ernst Wiechert, im Jahre 1887 zur Welt kam. Hier war sein Vater Förster - wie die meisten seiner Vorfahren - und schien das Leben in Frieden und Ruhe zu lieben. In seiner Erzählung über den letzten Besuch bei seinem Vater lässt der Dichter uns noch einmal nacherleben, wie eng der Vater mit der Natur und seinem Wald verbunden war und den Blick auf seine grüne Mauer von der Gartenbank aus genießen konnte. In der kleinen Gedenkstätte im ausgebauten alten Stall konnten wir anhand von alten Braun- oder Schwarz-Weiß-Fotos die Stationen und wichtigen Momente aus dem Leben des nicht gerade obrigkeitshörigen Schriftstellers nachträumen und die verschiedenen Ausgaben seiner Werke betrachten. Gegen 10 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Gałkowo / Nickelshorst, wo auf Veranlassung des Grafen Potocki das frühere Jagdhaus der Familie Lehndorffs von Sztynort / Steinort hin versetzt worden ist.
Im Salon der Gräfin Dönhoff gibt es 2 Gedenkstätten, eine ist dem Leben und Wirken der Gräfin, die auch nach ihrer Vertreibung selbst zur treibenden Kraft der Versöhnung geworden war, gewidmet, die andere beschreibt die Schönheit und Geschichte Masurens in Bildern und Schriften. Die Einführung dazu gab uns die Journalistin Gräfin Marsch-Potocka, die jetzt selbst auf dem Anwesen wohnt.

Pünktlich um 11:30 Uhr setzten wir uns mit 3 Pferdewagen, diesmal leider ohne Amazonenbegleitung, durch Wald und Wiesen in Bewegung nach Krutyn / Kruttinnen. Dort waren die Tische im Gasthaus an der Kruttinna schon gedeckt und ein Mittagessen für uns vorbereitet (12:30). Gegen 2 Uhr pm holte uns der alte Ostpreuße und Masure Eckhard Rudnick zu einem Waldspaziergang in den Masurischen Nationalpark ab. In seiner originellen ostpreußischen bedächtigen und sulaikenhaften Sprache machte er besonders die Damen durch persönliche Ansprachen glücklich und brachte die Männer zum Schmunzeln. Er zeigte uns Bäume mit alten Harzabnahmestellen, zeigte uns altmasurische Holzhäuser, u.a. das vom alten Oberförster, und führte uns dann zum Teufelsee, wo er einige der dort lebenden Fische mit „Holzstäbchenfutter“ anlockte. Nach dem Rückweg wurden wir auf 5 Boote verteilt und auf der Kruttinna entlanggestakt. Blutsteine im Wasser, von Biberfraß gezeichnete Bäume, eine Biberburg , viele blaue und grüne Libellen - eine sonnte sich auf Kerstins lila glänzendem Zehnnagel, was sie im Schlaf nicht einmal bemerkte - und vor allem ganz viele große Flussmuscheln, all das sahen meine wachen Augen. Muscheln ! Was muss das Wasser hier sauber und rein sein! Wie hatte ich mich doch vor Jahren bemüht, watend und tauchend in Luhe und Este eben solche Flussmuscheln und Krebse für den NABU zu finden, was eindeutig die gewünschte Wasserqualität nachgewiesen hätte, aber die Nitrat liebenden Landwirte wussten das schon immer zu verhindern…
Auf dem Nachhauseweg statteten wir der Totenstadt, Pardon, Westernstadt Mrongoville am Rande von Mrągowo einen Besuch ab. Ein kurzer Squaredance-Kurs, ein
Schnäpsen und für mich eine kurze Einweisung ins Poolbillard, war alles, was ich so mitbekommen habe.

Am Freitag (24.6.16), 6. Tag unserer Reise machten wir uns auf zur Besichtigung der Hauptstadt von Ermland und Masuren, Olsztyn / Allenstein. Heute hat diese Universitätsstadt rund 200.000 Einwohner, inklusive etwa 30.000 Studenten. Um die imposante mächtige alte Burg des Domkapitels entwickelte sich dann diese äußerst sehenswerte Stadt. Nach der fast vollständigen Zerstörung durch die Rote Armee 1945 wurde die Stadt wieder aufgebaut. Die polnischen Restauratoren haben hier wie anderswo, z.B. auch in Breslau, wieder einmal ganze und hervorragende Arbeit geleistet. Danke dafür! Das alles erklärte uns die Stadtführerin Anna, die zunächst vergeblich auf uns auf dem Parkplatz gewartet hatte. Im markanten Turm der Jakobikirche lebte der hier überall bekannte und verehrte Nikolaus Kopernikus von 1521 bis 1561. Mit schwedischer Hilfe wurde durch späte Genanalyse eines Haares aus einem geraubten Buch die Echtheit der Knochen aus seinem Grab in Frombork bewiesen. Seine Gebeine wurden feierlich im Dom zu Frombork / Frauenburg am 22. Mai 201 beigesetzt. Unser Rundgang führte uns zur Basilika, zum Marktplatz und durch die Altstadt. Dort durften wir uns danach auch etwa eine Stunde frei bewegen - Eis essen oder Kaffee trinken und Kuchen naschen.
Schon um 12:30 mussten wir wieder aufbrechen, um rechtzeitig das Museumsdorf (Freilichtmuseum) in Olsztynek / Hohenstein zu erreichen. Dort wartete schon die Museumsdirektorin Ewa Wrochna vor der alten Holzkirche (Kapelle), die unser erstes Besichtigungsobjekt wurde. Nach einer Andacht wurden der Museumsdirektorin für das Museum ein paar alte wertvolle Bücher, ich glaube alte Altar-Bibeln, und eine Reliefbildtafel übergeben, damit sie endlich mal an einem ehrwürdigen Ort zur Ruhe kommen durften.
Höhepunkt in der Kapelle: das Geburtstagsständchen für unsere 80-Jahre-Jubilarin Christa Möller!
Die alten Bauernhäuser heißen hier Vorlaubenhäuser, sie sind aus Holz gebaut und der Zeit, aus der sie stammen, entsprechend eingerichtet und wegen der langen Winter mit Kachelöfen und Doppelfenstern ausgestattet. In den aus gutem Grund entfernteren Ställen
stank es mal nach Ziegenduft oder Hühnermist, alle waren bewohnt.
14:30 Uhr ging es bei einer Außentemperatur von 31°C wieder weiter nach Sorkwity / Sorquitten, wo uns im Rahmen der „Sorquittener Gespräche“ das Ensemble „Legende“ aus Kaliningrad / Königsberg mit ihren Liedern erfreuen sollte.
In der Kirche am See - draußen badeten die Schüler, die ihren ersten Ferientag genießen konnten - begann das Konzert dann um 17:00 Uhr mit dem Gesang des Ensembles aus 6, teils sehr jungen schlanken Damen, die mit ihren langen blauen Kleidern, die sogar die Füße noch bedeckten (wie bei den „schwebenden“ armenischen Tänzerinnen) , eine festlichen Eindruck erweckten. Im A-Capella-Stil verwöhnten diese Chordamen mit mal leisen (ppp), mal kräftigeren (FF) Chorälen und Liedern, christlichen, volkstümlichen, ernsten und lustigen, unsere Ohren mit ihren wohlklingenden die Sinne betörenden Melodien. Sie sind allesamt Profis und haben die gewohnte und bekannte gute Ausbildung in Russland erfahren und reisen jährlich durch Westdeutschland und Europa, in Lüneburg und Scharnebeck sollen sie auch schon gewesen sein. Die aufgrund der Hitze in die Kirche verlegte Tanzvorführung der privaten Schule Choszczewo / Hohensee, Schüler-Volkstanzgruppe fand dann in der Konzertpause statt. Mit langsamem Einführungstanz, flotten polnischen Volkstänzen sowie Polonaise und Polka gewannen die Jungen und Mädchen in ihren Trachten, die vom Verein Freunde Masurens e. V. gespendet wurden, begleitet von Cymbal, Pauke und Flöte, schnell die Herzen der Besucher und wurden mit viel Beifall verabschiedet. Nach dem Tanz sangen die Königsberger Legenden noch ein paar Lieder nebst Zugaben „Ännchen von Tharau“ und „Ein kleiner grüner Kaktus“. Bach, Gounod, Mozart, die „Schwarze Madonna“ und die „Abendglocken“ habe ich unter ihren Darbietungen immerhin wieder erkannt. Der Landrat des hiesigen Kreises, Antoni Karaś, bedankte sich bei den Künstlern im Namen aller Versammelten und überreichte Blumen und Geschenke. Ein Geburtstagslied, für Frau Christa Möller, auf Polnisch beendete dieses wunderschöne Konzert.

Mit Lunchpaket im Rucksack, ohne Frühstück, starteten am Samstag (25.6.16) 37 von uns mit einem polnischen Bus nach Kaliningrad, dem alten Königsberg. Nach Geldumtausch an der letzten polnischen Tankstelle kamen wir schneller als erwartet durch die Grenzkontrolle, nur für die Gegenrichtung sah es schlechter aus, eine sehr lange Autoschlange wartete vor dem Schlagbaum Richtung Süden. Familie Krüger wurde von Freunden an der Grenze abgeholt, sie wollten den Heimatort ihrer Mutter noch einmal aufsuchen. Wir anderen wurden von Tamara zur Stadtführung empfangen. Während das Stadtbild eingangs von hässlichen, teils unbewohnten oder unvollendeten Plattenbauten bestimmt war, wurde es an der Pregelbrücke interessanter. Ein Brautpaar ließ sich auf der Brücke mit Blick auf den Dom fotografieren. Tamara führte uns zunächst zum Grab von Immanuel Kant, dem größten deutschen Philosophen, direkt an der Dom Mauer. Am Albrecht von Preußen Denkmal im Park an der Pregel erzählte sie uns von der Bedeutung dieses Herzogs auch für das heutige Kaliningrad. Für die neue Generation der örtlichen Russen ist er ein fester Bestandteil ihrer Kultur und viele von ihnen wissen mehr von ihm und über seine Werke als wir bzw. die Moskowiter. Da die Königsberger Altstadt in den letzten Kriegswochen fast vollständig zerstört wurde, hat sich das Bild gewandelt: die Rote Armee sollte alles, was an Deutschland erinnerte, unwiederbringlich zerstören. Auch Dom- und Schlossruine sollten gesprengt werden. Nur dank des Einspruchs einiger Intellektueller, die auf Kants Philosophie als Basis des Marxismus hinwiesen, wurde der Dom gerettet und mit Spendengeldern wieder aufgebaut und als Kulturstätte wieder eingerichtet. Er ist jetzt ein Konzertraum mit Bühne statt Altar, altem Kirchengestühl und - nach dem Besuch Gerhard Schröders - mit zwei Orgeln (6000 Pfeifen die große Orgel, 2000 Pfeifen die vordere Orgel, gesteuert von einem Manual aus) ausgestattet. Wir erfuhren von den drei Stadtteilen, aus denen Königsberg zusammen gewachsen war, am Denkmal von Herzog Albrecht vom Gründer der Universität Albertina sowie vom Geburtshaus der Dichterin Agnes Miegel, nahe der alten Dombrücke. Im mächtigen Domturm sind heute drei Museen untergebracht. Wegen einer Veranstaltung musste die Dombesichtigung auf den Nachmittag verlegt werden, außerdem wollte uns Tamara vor dem Wochenendverkehr Richtung Selenogradsk / Cranz bewahren. So fuhren wir weiter in dieses Ostseebad. Es war sonnig und heiß, so dass wir an der Uferpromenade auf viele Badegäste trafen - ein paar tausend an der langen Küste. Die Promenade war neu und breit, breiter als der schmale Sandstrand. Eigentlich wollte ich mal kurz mit nackten Füssen ins Ostseewasser steigen, um die Temperaturangabe 13-15°C zu überprüfen (2 Wochen zuvor hatte der Reihersee schon 23°C !), doch die enge Körperbedeckung des Strandes ließ das nicht zu (kein Durchkommen). Die Temperatur betrug in der Sonne deutlich mehr als 30°C, nur eine kühle Brise ließ uns durchhalten. Auf dem Rückweg führte uns Tamara an der „Bilderstraße“ mit alten Aufnahmen, die aneinandergereiht den Eindruck erweckten, als ginge man die alte Straße entlang, vorbei in die Hauptstraße und zeigte uns das Stadtwappen und das Königin-Luise-Denkmal.
Auf der Rückfahrt nach Königsberg fuhren wir durch das alte Villenviertel mit Häusern aus dem Anfang des 20.Jahrhunderts., am oberen See vorbei bis zur evangelischen Auferstehungskirche, der modern eingerichteten Kirche der Königsberger evangelischen Christen. Das Kirchenzentrum wird von verschiedenen Geldgebern und Spenden erhalten . Ein russischer Probst ist jetzt für die Gemeinden der russischen Enklave verantwortlich. Da von der Kirchenleitung keiner anwesend war, erläuterte Pastor Tegler uns diese Nachkriegs-Entwicklungsgeschichte und der Art der jetzigen „Pastorenausbildung im Kurzverfahren“. Nach einer kurzen Andacht wurden wir mit Kaffee und Kuchen bewirtet und verabschiedeten uns bald darauf. Am Hafen entlang fahrend mit zwei alten Speichern im Blick sahen wir auch das alte U-Boot-Museumsschiff, nebst Torpedos und anderen Marineausrüstungstücken auf der Kaimauer. Bei der verspäteten Dombesichtigung konnten wir all das sehen, was Tamara uns angekündigt hatte. Beeindruckt haben mich die beiden Tafeln links und rechts des ehemaligen Altarraumes: die Gelehrtentafeln aus der Tafelrunde, von Kant gegründet und bis heute fortgesetzt, listet alle Professoren der Albertina auf, von denen etliche zu Weltruhm gekommen waren.
Die Rückfahrt einschließlich Grenzkontrolle verlief problemlos und zügig, nur die Schnapskäufer (zollfrei) unter uns verlängerten den Aufenthalt am Schlagbaum.

Der Sonntag (26.6.16) sollte wieder ein besonderer Tag werden, besonders für fünf junge Leute, und auch für mich, den das alles stark beeindruckt hat. Wir fuhren, einmalig erst nach spätem Frühstück, um 9 Uhr ab zur Konfirmation in die Kirche von Sorkwity / Sorquitten. In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche, außer unserer Gruppe, gab es noch zahlreiche Gäste aus Deutschland, Eltern und Freunde aus den umliegenden Gemeinden. Durch den Gottesdient leiteten Pastor Mutschmann und Pastor Tegler die Konfirmation, Beichte und das Heilige Abendmahl. Pastor Tegler hatte uns die Liturgie und seine Predigt in deutscher Übersetzung übergeben, so dass wir uns auch im polnisch evangelischen Ablauf des Gottesdienstes zurechtfinden konnten. Pastor Mutschmann begann mit dem Eingangssegen und den liturgischen Rahmen, Pastor Tegler übernahm die Predigt zum Wort „Betet ohne Unterlass“. Durch das Abendmahl führten uns beide gemeinsam. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Organistin, die Sänger des Ensembles Legende und der Kirchenchor.
Für die fünf jungen Konfirmanden, es waren ein Junge und vier Mädchen, war das ganz bestimmt ein unvergleichliches Erlebnis, in dieser Kirche, in diesem festlichen Rahmen mit so vielen Gästen. Ich bin mir sicher, dass sie ihre späteren Kinder auch konfirmieren lassen werden. Unsere Hirten verstehen ihr Handwerk!
Beim gemeinsamen Mittagessen im Garten des Gemeindezentrums konnten wir wieder Kontakte zu bereits Bekannten wie auch zu neuen Gästen schließen. Das verpflichtende Gruppenfoto nach dem Gottesdienst wurde auch nicht vergessen.
Um 14 Uhr bestiegen wir den Bus zur Rückfahrt. Nach der Ankunft im Hotel mit 5 Minuten Zeit zum Gesicht waschen und Hosenwechsel machte sich eine kleine Gruppe von ca. 24 Mitreisenden auf zur Gedenkstätte auf dem Friedhof in Ryn / Rhein. Nach 40 Jahren Einsatz von Pastor Tegler und seinen Gleichgesinnten konnte eine Grabstelle mit dem Gedenkstein für die seinerzeit 24 sinnlos ermordeten Frauen und Kinder im Jahr 2011 feierlich eingeweiht werden. Auch wir gedachten der Opfer mit einer Niederlegung eines Gebindes mit Schleife, Blumen und Kerzen und einer Andacht nach Kerstins einleitendem Trompetensolo. Der heftig einsetzende Gewittersturm blies erst die Kerzen aus und warf noch Äste nach uns, konnte uns aber nichts anhaben, wir standen unter mächtigem Schutz.
Im einsetzenden Gewitterregen führte Kerstin einige von uns noch in die alte Burg, die heute ein Hotel ist. Ein reicher Pole hat sie wieder restauriert, eine große Innenhalle zeugt von der Vergangenheit, der Speiseraum beeindruckt mit gotischen Fensternischen und drei Meter dicken Wänden. Bei heftigem Regen versammelten wir uns alle anschließend in der renovierten Mühle bei Honigbier und deshalb trotzdem guter Stimmung.
Wegen eben desselben Regenwetters fiel der erwartet Spaziergang zur „Liebesquelle“ am Czossee leider aus. Dafür um 18 Uhr : D - Slowakei 3 : 0 !

Montag (27.6.16), war für uns der letzte Tag in Mrągowo / Sensburg. Hauptpunkt des Tagesprogramms war die Schiffstour von Ruciane-Nida / Rudczanny-Nieden nach Mikołajki / Nikolaiken. Vorher besuchten und besichtigten wir das alte Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit der Philipponen in Wojnowo / Eckersdorf. 1840 wurde die alte Holzkirche von den aus Russland stammenden priesterlosen Altorthodoxen erbaut, das Nonnen-Kloster folgte 1847. Schon auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Siedlungen im russischen Baustil, von den Philipponen gegründet. Vor 6 Jahren verstarb dort die letzte Nonne des Klosters. Heute ist es eine Gedenkstätte, die von vielen Freiwilligen dank EU-Spenden wieder renoviert werden konnte. Außer den vielen Ikonen, darunter vielen Marienbildern, erklärte uns Pastor Tegler auch die Funktion der Himmelstür in den orthodoxen Kirchen, hier durch 2 Schranktüren angedeutet. Wenn der Priester plötzlich verschwunden ist und dann geisterhaft wieder auftaucht, staunt auch der letzte Wundergläubige!
Ein kleiner Rundgang führte uns dann zu dem Friedhof am See mit den typischen orthodoxen Kreuzen mit 3 Querhölzern und den kleinen Gräbern, die ich zunächst für Kindergräber hielt.
10:30 war dann die Abfahrt mit dem Ausflugsdampfer nach Nikolaiken, zunächst etwa 15 km durch den buchtähnlichen Beldahnsee, vom Eingang in den Nikolaiker See fuhr der Kapitän dann eine Schleife durch den östlich liegenden Spirdingsee, dem größten See Masurens (für mich die „masurische Müritz“), bevor er dann 10 Minuten später in Mikołajki / Nikolaiken an der neuen sich noch im Bau befindenden Brücke anlegte. Jetzt durften wir uns wieder frei bewegen und viele nutzten das zu einem Spaziergang durch das „masurische Venedig“. Ich selbst begleitete Ehrenfried ins Marktcafé, nach einigen obligatorischen Stadtfotos. Von dort aus konnten wir in Ruhe die vorbeiströmenden Touristen und den Brunnen mit dem Stinthengst, dem kleinen, beobachten. Da Ehrenfried mir auch noch von dem großen Stinthengst aus Holz mit der Königskrone erzählte, machte ich mich auf dem Weg zum Treffpunkt noch auf die Suche nach dem Fischkönig, konnte ihn aber nicht finden noch fotografieren, weil auch die alten Brückenpfeiler restauriert wurden und er erstmal an Land in Sicherheit gebracht worden war. Mikołajki / Nikolaiken ist ein beliebter Ferienort und Ausgangspunkt für alle Arten von Wassersportlern, im Winter kann man dort auch Eissegeln, manchmal auf 80 cm dickem Eis (wenn der Kapitän nicht geflunkert hat). Die viel gerühmten Nikolaiker Maränen haben zwar (geräuchert) einen zarten guten Geschmack, können mir aber gestohlen bleiben, die vielen kleinen Gräten haben mir dann doch den Appetit verleidet.
Der Abend war dann unser Abschiedsabend und wurde ausgiebig mit einem Festessen, Volksmusikantenspiel und Tanz gefeiert. Das Ehepaar Krüger wurde dann als Lorbas und Mariellchen ausgewählt und durfte die Tanzpartie eröffnen.
Pastor Tegler nahm dann die Gelegenheit wahr und verabschiedete uns von den zahlreichen Ehrengästen, darunter Jadwiga und Julian Osiecki, die uns so oft begleitet hatten, die Abgesandten der Deutschen Minderheit aus Mrągowo / Sensburg und Ryn / Rhein, der Bürgermeisterin Justyna Gałko und ihrem Ehemann aus Warpuny / Warpuhnen, Alfred Siwik mit Ehefrau sowie Danuta und Alfred Bielski und bedankte sich bei allen und Kerstin Harms überreichte allen kleine Abschiedsgeschenken. Die Angestellten des Hotels wurden mit Süßigkeiten und einem Umschlag mit Trinkgeldern bedacht.

Dienstag (28.6.16) war der 10. und Abreisetag. Um 8 Uhr starteten wir über Olsztyn / Allenstein und Ostróda / Osterode und fuhren wir weiter Richtung Oberländer Kanal. Nahe Buczyniec / Buchwalde bestiegen wir das Schiff und tuckerten über vier geneigte Ebenen, über die die Boote auf Trägern auf Schienen bergauf bzw. bergab gezogen wurden, nach Jelenie / Hirschberg, etwa 2 Stunden lang - rund 10 km weit und 86 m abwärts.
Darauf hatte ich schon lange gehofft, diese vor etwa 160 Jahren gebaute immer noch funktionierende Mechanik der alten Ingenieurkunst mal selbst aus der Nähe zu erleben. Dank der 2015 fertiggestellten Renovierung wird diese Wasserstraße wohl noch weitere 150 Jahre Touristenattraktion bleiben.
12:30 Weiterfahrt nach Frombork / Frauenburg zur Dom- und Haff Besichtigung. Vor der gewaltigen Domanlage empfing uns eine charmante Stadtführerin, überraschenderweise eine Schweizerin, die die Liebe nach Elblag / Elbing verführt hatte. Die ganze Anlage steht imposant errichtet auf dem Domhügel hoch über der Stadt. Hier lebte und arbeitete auch Kopernikus von 1510 bis 1543, in eben diesem Dom wurde er dann auch beigesetzt. Schon beim Eintritt in den Anlagenhof hörte ich die Orgel spielen (wer übt denn da um diese Zeit?), doch welche Überraschung: unser Besuch begann mit einem Orgelkonzert. Der Organist saß am Manual direkt neben dem Eintrittsgang und spielte für alle Gäste die Toccata von Bach, ein Präludium von Widor, Schuberts Ave Maria und - weil die Orgel gleichzeitig Konzertorgel ist - den Bolero von Ravel. Das hatte ich auf einer Orgel noch nie gehört. Die Zuhörer waren begeistert und konnten den Organisten noch zu einer Zugabe, dem Halleluja aus dem Messias von Händel, ermuntern. Die Kirchenführung - meine besondere Beachtung fanden dabei die Kopernikustafel und die moderne Sonnensystemtafel - endete dann mit der Turmbesteigung, wo ich die nächste Überraschung erleben konnte : ein Foucoultsches Pendel , das uns nach dem Abstieg nach rund 15 Minuten schon bewies, das die Erde sich weitergedreht hatte. Oben auf dem Turmrand erträumte ich mir dann ein Turm Café, von dem aus ich stundenlang die herrliche Aussicht auf Stadt und weites Haff hätte genießen können.-
Nach dem Konzert und der Führung fuhren wir noch zum Gedenkstein für die Opfer von Flucht und Vertreibung, wo unsere älteste Mitreisende, Reinhild Wessel, Blumen niederlegte, nachdem Kerstin noch das Trompetensolo „Harre meine Seele“ spielte. Unsere Jubilarin, Christa Möller, die aus Ostpreußen stammt und die die Vertreibung in den letzten Kriegs- und Nachkriegswochen selbst erlebt hatte, berichtete uns dann von ihren Erlebnissen in dieser menschenunwürdigen Phase der Zeitgeschichte. Die ehemalige Bürgermeisterin von Frombork / Frauenburg, Krystyna Lewanczyk, die sich für die Aufstellung dieses Gedenksteines eingesetzt hat, war bei dieser kleinen Feier dabei. Anschließend spazierten wir zur Kaimauer am Frischen Haff und erfuhren, dass es 5-12 km breit, 96 km lang und maximal 5m tief sei. Über Elblag / Elbing brachte uns der Bus nach Malbork / Marienburg ins Hotel Dedal und nach dem Abendessen weiter zur Marienburg. Wir schlenderten noch über die Nogatbrücke, um von der anderen Seite aus einen schönen Fotoblick auf die von der Abendsonne beschienene gewaltige Burganlage zu erhaschen. Wieviel (100-) Millionen Backsteine haben sie hier nur verbaut? Mein Schätzvermögen versagte komplett.
Um 20.00 Uhr begann dann die nächtliche Burgführung in 2 Gruppen. Die Anlage vereint Wehranlage, Kloster, Schloss des Hochmeisters, Kirche, Hospital und Gästeblock. Der Bau zog sich über mehr als 170 Jahre hin, von 1309 bis 1457 war sie Sitz der Hochmeister des Deutschritterordens. Nach dem Beschuss und großen Zerstörungen durch die Rote Armee wurde sie mit Fördermittel aus aller Welt wieder restauriert und aufgebaut und zum Weltkulturerbe ernannt. Über die Zugbrücke, über den Innenhof mit dem Schwanenbrunnen ging es in den 10m hohen Remter mit seinen wieder erneuerten Fresquen , den gotischen Stützsäulen und der jetzt wieder funktionierenden elektrisch betriebenen „Fußbodenheizung“ . Von dort stiegen wir über viele Gänge und Kreuzgänge in den Hochmeisterpalast und die Burgkirche. - Eine Stunde ist für eine Besichtigungseiner solch gewaltigen Anlage wirklich kurz, also werde ich wieder kommen. Einige ließen den schönen Tag bei einem Glas Wein, Bier oder Żubrówka ausklingen.

Mittwoch, (29.6.16), vorletzter Tag: Schon um 7:45 Uhr saßen wir im Bus, zur Abfahrt nach Gdansk / Danzig bereit, damit wir um 9:30 Uhr pünktlich zur Stadtbesichtigung am Grünen Tor ankommen konnten. Nach ausführlicher Darstellung der Stadtgeschichte bewegten wir uns bei diesem herrlichen Sommerwetter gemächlich an der Kaimauer der Mottlau entlang, vorbei am Krantor entlang der herrlichen Häuser, den Nachbauten alter Koggen, durchs Frauentor und die Frauengasse zur Marienkirche. Die ganz in Weiß gehaltene Innenkirche mit gegenüber Barockkirchen spärlicher Ausstattung wirkte anregend auf die Stimmung. Unter den wenigen kostbaren Ausstattungsstücken fiel mir besonders die restaurierte Astronomische Uhr mit ihren tausend Einzelheiten ins Auge, die Erinnerung an ihr Pendant in der Lübecker Marienkirche war plötzlich allgegenwärtig. Durch die Enge Gasse mit ihren bestens hergerichteten Giebelhäusern der Hansestadt ging es zurück zum grünen Tor, ganz sanft und nebenbei wurden wir noch in ein Bernsteingeschäft geführt, wo uns eine junge Frau vorführte, welche Eigenschaften Bernstein hat und wie man Fälschungen leicht aufdecken kann.
Übrigens - von Physiklehrer zu gelehrigen Schülern der Name „elektrisch“ stammt vom griechischen élektron = Bernstein , nämlich durch Reibung elektrisch (negativ) aufladbar, wie Bernstein!
Bei einer Fahrt mit dem Riesenrad, das alle Stadthäuser überragte, konnte ich dann noch einmal die schöne Stadt von oben sehen und fotografieren, Hanna kann´s bestätigen.
An der Ostseeküste entlang über Lauenburg (nicht Elbe!) mit kurzem Aufenthalt in Słupsk / Stolp ging es dann nach Kołobrzeg /Kolberg ins Hotel Solny. Nach dem Abendessen unternahmen wir dann in kleinen Gruppen noch einen Spaziergang an den Strand und warteten dort auf dem Balkon der Strandbar auf den Sonnenuntergang. Am Tisch saß noch ein Ehepaar aus Koblenz, das vor rund 20 Jahren aus Kolberg ausgewandert war und regelmäßig die Familie und Heimat hier besucht. Jetzt lernte ich auch Kolberg (fast) richtig auszusprechen: „kowoberdjäck“ !

Donnerstag (30.6.16), letzter Tag: Wieder eine solch frühe Abfahrt (das letzte Frühaufstehen für die nächsten 4 Wochen mindestens, schwor ich mir)! Aber immerhin wollten wir um 10 Uhr unseren Reiseführer für Szczecin / Stettin dort treffen. Er führte uns in den Hof des Herzogsschlosses, beschrieb uns die Geschichte des Schlosses und erzählte von seinen 3 Zerstörungen. Wir erfuhren auch, dass hier in Stettin der von den Nazis verfolgte und hingerichtete Pastor Bonhoeffer Leiter eines Predigerseminars war. Auf der kleinen Stadtrundfahrt kamen wir auch am hoch über der Oder gelegenen Landesparlament und der runden Terrasse vorbei. Mit dem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „POD KOGUTEM“ endete unser kurzer Aufenthalt in der Oderstadt. Die Rückfahrt verlief ruhig und zügig, beim kurzen Tankstopp am „Polenmarkt“ konnten wir unsere restlichen Zlotys loswerden. Ankunft um 19:25 am Schiffshebewerk Scharnebeck.
Die Busreise war weit über 3000 km lang, davon legten wir 2025 km allein in Polen (ohne Abstecher nach Kaliningrad) gemeinsam zurück.
Persönliches Resümee: Den beiden Organisatoren und Seelentröstern Pastor Tegler und Kerstin Harms danke ich von ganzem Herzen für diese wunderbar vorbereitet Reise und die aufopfernde Betreuung. Ich habe viel mehr gesehen, erlebt und mehr Kontakte knüpfen können, als ich je erwartet hatte. Die Reisegruppe gab mir immer das Gefühl zu einer großen Familie zu gehören und hat meine positiven Reiseeindrücke entscheidend verstärkt. Danke dafür - auch wenn ich selbst ab und zu genervt habe.
Der Eindruck, den unsere polnischen Gastgeber und diejenigen, die ich um Rat fragen musste, auf mich gemacht haben hat den von meinem ersten Besuch in Wohlau und Breslau noch einmal deutlich positiv verstärkt und ich komme gerne wieder. Jetzt kann ich mich selbst Freund Masurens und Polens nennen.
Friedrich Jacob, Lüneburg

P.S. Am 7. August treffen wir uns um 14 Uhr in der Marienkirche zu Scharnebeck wieder zu gemeinsamem Gottesdienst, Kaffeetrinken und Bilderaustausch.
Die nächste Masurenfahrt ist vom 19.06. – 30.06.2017
Sie können sich schon jetzt bei Pastor Tegler anmelden (04136) 91 05 73

Bericht über das Konzert in Warpuny / Warpuhnen von Helga Alter

Konzert in Warpuny / Warpuny ebenfalls am Samstag, 25.06.2016
Am 6. Tag unserer Masurenreise hörten wir in der Kirche in Sorquitten das Vokalensemble „Legende“ aus Kaliningrad/Königsberg. Als ich erfuhr, dass diese großartigen Sängerinnen am Samstag noch einmal in Warpuhnen auftreten würden, stand fest: “Da möchtest du hin!“ Pastor Tegler organisierte für drei weitere Mitreisende und mich ein Taxi mit einem freundlichen, deutsch sprechenden Fahrer, die anderen Mitreisenden waren ja diesen Tag nach Kaliningrad / Königsberg aufgebrochen.
In der Kirche in Warpuhnen war alles bestens vorbereitet: das Antependium hing an der Kanzel, Teppiche waren ausgerollt, ein weißes Tuch bedeckte den Altar, auf dem Blumen und Kerzen standen, sogar Unkraut und Gras am Eingang waren weggerupft worden. Nach und nach füllte sich die Kirche, – trotz gerade beendetem Fußballspiel, bei dem Polen gewann! Das Konzert begann mit dem geistlichen Teil, und es war eine ganz außergewöhnliche Stimmung. Zu der guten Akustik, in der die glockenhellen Stimmen besonders schön klangen, kamen visuelle Eindrücke: der auferstandene Jesus auf dem Bild hinter dem Altar leuchtete, und gerade als das „Ave Maria“ von Bach-Gounod erklang, schien die Sonne durch das hintere Fenster genau auf das Kruzifix. Beim weltlichen Teil des Konzertes sangen dann auch die Vögel draußen kräftig mit! Wir vier waren froh, dass wir diese schöne Musik in der Kirche hören durften – und die anderen Anwesenden sicherlich auch.
Helga Alter, Bad Bodenteich, 03.07.16

 

Reisebericht von den Erlebnissen einer Mitreisenden der Masurenreise 2015

Erinnerungen an die Masurenfahrt vom 15.06. - 26.06.2015 mit dem Verein Freunde Masurens e.V. „Pastor Teglers Masurenfahrt“

Auf dem Deckblatt eines der letzten „Lötzener Heimatbriefe“ entdeckte ich zu meinem Erstaunen die Abbildung eines alten Tellers mit den Wappen von Lötzen und Frankfurt/Main. Die Inschrift lautet: „.... Kriegshilfsverein von Frankfurt/Main für Lötzen … 16.Febr.1915 ….“ also vor 100 Jahren

Ich lebe seit 1965 in Frankfurt/Main, bin 1934 in Kosewo/Masuren geboren, 1945 mit meiner Mutter und vier Geschwistern geflüchtet; übers vereiste Haff, die Frische Nehrung, Prag, zunächst nach Bayern. Von meinem 2. bis 11. Lebensjahr war ich „Lötzerin“ und bin da auch zur Schule gegangen. Der Krieg ist Gott-sei-Dank 70 Jahre vorbei. Die Zeit ist da, sich zu erinnern. So habe ich mich im Juni 2015 endlich wieder einmal auf den Weg begeben, mit dem Verein „Freunde Masurens e.V.“ in die alte Heimat.

In Sensburg-Mrągowo übernachteten wir in einer Reisegruppe von 49 Frauen und Männern, Jungen und Alten in einem Hotel; von dort aus machten wir verschiedene Ausflüge und kleine Reisen. Wir haben viel gesehen, Altes und Neues bestaunt und betrauert, uns an der schönen Landschaft erfreut: den Wäldern, Seen, Feldern und Wiesen mit Störchen, viele Burgen, Schlösser und Gedenkstätten. Ein reichhaltiges Programm, gut vorbereitet. Danke!

Ein Höhepunkt meiner Reise war der Besuch des Großelternhauses. Dies war auch ein Ziel meiner Reise. Die anderen Reiseteilnehmer waren z.T. nach Königsberg unterwegs. Ich begebe mich mit einem deutschsprachigen polnischen Taxifahrer an meinem Geburtsort Kosewo zum Haus meiner Großeltern. Ein altes, schön gebautes Haus mit Veranda und Balkon erwartet mich an der Straße, ein verwilderter Garten davor; nicht mehr so gut gepflegt wie vor 35 Jahren bei meinem ersten Besuch. Gegenüber auf der anderen Straßenseite schimmert der See im Sonnenlicht. Durch das alte eiserne Gartentor trete ich in den Hof, vorsichtig um mich schauend. Keine Menschenseele zu sehen, kein Hund. Alle Türen und Fenster sind verschlossen. Die Treppe zum Eingang der Veranda ist schon etwas morsch, die Scheune im Hof ist abgerissen, Gras wuchert an dieser Stelle. Nur die gemauerten Ställe der Tiere stehen noch da, aber leer. Alles ist alt geworden, alt wie ich auch! In Gedanken und im Erinnern erzähle ich meiner geliebten Großmutter, was ich sehe und denke. „Es ist nicht so schlimm, wie du denkst,“ höre ich sie, wie früher so oft, sagen. „So ist das Leben.“ Es ist, wie es ist.

Vom Gasthausbesitzer nebenan erfahre ich im Gespräch – der kann noch etwas Deutsch - dass ein alter Mann seit ca. 30 Jahren der neue Besitzer des Anwesens ist. Er lebt allein, trinkt viel und arbeitet nichts mehr. Der Nachbar erzählt weiter: „Die alte Frau Jakubzik, Ihre Großmutter, hat meine Mutter noch gekannt, und sie hat immer gesagt: das Haus nebenan ist das schönste im Ort, mit Veranda, Balkon, …! Sehr freundlich ist dieser deutsch-polnisch sprechende Nachbar. Er lädt mich zu einem Kaffee ein. Vielleicht komme ich ja einmal wieder, auch zu dem großen See, zu schauen, darin zu schwimmen oder einfach nur so da zu sitzen wie heute, in der Stille, zu singen wie meine Großmutter, mich zu erinnern.

Ganz anders in Lötzen. Das Elternhaus in der Sulimmer Allee 16 ist auch alt geworden, auch schon sehr marode. Der einstmals gepflegte Garten hinter dem Haus verwildert, die Gärtnerei gegenüber verschwunden. Der Bach schlängelt sich noch wie damals durch die Wiesen. Die steinernen Löwen, die den Eingang bewachen, recht verwittert. So sehen sie richtig zahm aus! Von meinem 2. bis 11. Lebensjahr habe ich hier mit meinen Geschwistern und Nachbarskindern in Haus und Garten oder auf der Straße gespielt. Ich ging in den nahe gelegenen Kindergarten und später in die Schule. Bei den Jungmädeln war ich nicht. Das hatte mein Vater auf einem Fronturlaub bei der Kommandantur erreicht. Er war mit mir dort und sagte nur bestimmt und energisch: „Es reicht, dass ich meinen Betrieb, ein Steinwerk, verlassen und Soldat werden musste. Meine Tochter kommt nicht zu Ihnen.“ Das genügte schon. Es passierte nichts weiter.

Heute sieht Lötzen für mich ganz anders aus. Keine Kolonnen von Militärfahrzeugen mit singenden Soldaten, keine Propagandareden. Trotzdem ist in Lötzen für mich viel los, und ich bin neugierig. Lötzen zu erkunden möchte ich mehr Zeit haben. Wir fahren mit dem Reisebus am Krankenhaus vorbei. Mit meiner Mutter haben wir Kinder da oft Besuche gemacht und den Kranken, auch verwundeten Soldaten, zur Freude gesungen. Wir fahren an meiner ehemaligen Schule vorbei und nachmittags sind wir alle, 49 Männer und Frauen, bei der „Deutschen Minderheit“ eingeladen. Sie haben sich zusammengefunden, treffen sich immer wieder. Unterm Dach, im 2. Stock eines großen Hauses, haben sie sich ein „Nest“ eingerichtet. Mit einer reich gedeckten und geschmückten Kaffeetafel, an vielen Tischen, werden wir herzlich begrüßt. Viele Gelegenheiten für Gespräche ergeben sich auch mit einigen jungen Menschen. „Wie ist das Leben eigentlich jetzt bei euch? Müsst ihr so viel arbeiten wie wir? … und vieles mehr. Deutsch und Polnisch wird gesprochen – das kenne ich von meiner Mutter und Großmutter auch. Wenn wir Kinder nichts verstehen sollten, sprachen die beiden Polnisch. Der Chor der Deutschen Minderheit aus Lötzen „Stimme der Heimat“ singt uns zur Ehre und zur Freude. Schön war´s!

Einer von ihnen hatte mich zu meinem Elternhaus gefahren. Er würde mich bei meinem nächsten Besuch auch beherbergen. Adressen werden ausgetauscht, eine junge Frau konnte mir auch eine Busverbindung von Frankfurt/Main nach Lötzen heraussuchen. Ja, nach Lötzen möchte ich nochmals gerne. Zeit haben, das Neue bewundern, durch die Straßen schlendern und Menschen begegnen.

„Einmal nach Masuren, immer wieder nach Masuren“ Mit anderen zusammen.

Renate Ackermann, geb. Pesth aus Lötzen

Nachtrag: Der große Gedenkstein

Ein sehr eindrucksvoller Höhepunkt meiner Masurenreise war der Besuch des großen Gedenksteins in der Nähe der Frauenburg, aufgestellt für die Menschen, die im vereisten Haff 1945 auf der Flucht umgekommen sind. Da ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern auch diesen Weg übers Haff zur Frischen Nehrung und weiter gegangen bin, fiel mir die Aufgabe zu, das Blumengesteck hinzulegen.

Es war ein eher trüber Tag, etwas windig. Einer unserer Reiseteilnehmer spielte ein Lied auf seinem Blasinstrument unter einem Baum. Ich legte sehr nachdenklich, die Blüten nochmals ordnend, das Gesteck behutsam hin. Dann packte mich Trauer, die alten Bilder der Flucht kamen wieder hoch. Viel Schmerz um alle, die im eiskalten Wasser versanken, umkamen, ich weinte leise, tief erschüttert, und wiederholte immer wieder die Worte: „Ich mache das für uns alle.“ Die Musik erklang! Lange blieb ich so weinend in der Hocke sitzen, bis mich eine Frau an der Schulter berührte. Ich erhob mich und ging still zu den anderen, 300 Meter weiter, gegenüber, zum Haff, wo grau und leicht bewegt das Wasser stand.

In der Ferne war die Frische Nehrung zu erkennen. Ja, das war auch mein Weg mit meinen Lieben, im kalten Winter 1945. Das Weinen war vorbei, und ich schaute nur besonnen, ganz versunken in diese Zeit. Die alten Bilder kamen hoch, wurden kleiner. So stand ich lange, bis ich merkte, dass außer mir und drei Menschen hinter mir schon alle zum Bus gegangen waren. Ich gesellte mich schweigend zu ihnen und ging auch, wie in eine andere Welt, in eine andere Zeit. Am nächsten Tag war ich wieder ganz präsent, voller Frieden und Versöhnung, ja Freude. So fühlt sich Frieden im Herzen an

Liebe Kerstin uns Pastor Tegler, ich danke Ihnen für diese wunderbare Begegnung in meiner alten, geliebten und unvergessenen Heimat.



REISEBERICHT DER MASURENFAHRT 2014 von Karin Strehlow

Masurenfahrt 2014 ins Land der Störche, der tausend Seen und der dunklen Wälder vom 15. - 26. Juni 2014

(chronologischer Bericht)

15.06.2014 „Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen …“ so beginnt das Ostpreußenlied.
Wir wollten das Land schon immer einmal kennenlernen und so fuhren wir am 15.06. morgens um 7.00 Uhr mit unserem Fahrer Uwe von Rech-Reisen los.
Die Reisegruppe bestand aus 48 Teilnehmern die von Pastor Tegler und Kerstin Harms geleitet wurde Müde, aber auch ein wenig aufgeregt warteten wir auf den Bus mit Uwe, unserem Fahrer. Pünktlich war er zur Stelle, dann ging es los.
Nach einer Sonntagsandacht von Pastor Tegler im Bus kamen wir nach 10 stündiger Fahrt mit mehreren Pausen in Gniezno (Gnesen) an.
Dort besichtigten wir den wunderschönen spätgotischen Dom wo wir eine kleine Abendandacht feierten. Gniezno (Gnesen) ist die älteste Stadt Polens und die erste Hauptstadt sowie die Krönungsstadt der ersten polnischen Könige.
Untergebracht waren wir im Hotel „Lech“, wo außer schmackhaftem Essen, die Folkloregruppe Wiwaty unterhielt. Eine Teilnehmerin feierte ihren 75. Geburtstag und das wurde entsprechend – auch in der Morgenandacht sowie in Gebeten und Liedern gewürdigt. Kerstin Harms und Pastor Tegler überreichten der Jubilarin kleine Geschenke und eine Urkunde vom Verein „Freunde Masurens e. V“.

16.06.2014 Heute starten wir um 8.00 nach Toruń (Thorn), vorbei an Wiesen die mit Kornblumen und Mohnblumen übersät sind. Traumhaft schön!
Leider hatten wir für diese wunderschöne Stadt nicht viel Zeit, aber wir sahen uns mit unserem polnischen Stadtführer den Dom, das Kopernikus-Geburtshaus, das Rathaus und die pietätsvoll restaurierten Häuser aus der Hansezeit an.
Nach einer Rast und einem Imbiss am Bus mit Würstchen, Kaffeetrinken und „Thorner-Katharinchen“ ging es weiter nach Masuren.
Erster Halt war Sorkwity (Sorquitten) wo Kerstin Harms am See das schöne Ostpreußenlied „Land der dunklen Wälder“ auf der Trompete blies. Pastor Mutschmann empfing uns und wir hielten gemeinsam hinter der Kirche mit Blick auf den See eine Abendandacht.
Etwas später erreichten wir unser Hotel „Panoramic Oscar“ in Mrągowo (Sensburg) von wo wir eine wundervolle Aussicht auf den Schoß-See und die umliegenden Wälder hatten.
Die Besitzer des Hotels haben uns mit polnischer Żubrówka und Bärenfang empfangen und Julian Osiecki, Präsident des Regionalparlaments von Ermland und Masuren begrüßte uns sehr herzlich in Masuren und wünschte uns schönes Wetter, tolle Eindrücke und liebe Begegnungen mit Menschen dieses „wunderlandes Masurens“.
Herr Osiecki mit seiner charmanten Frau (Jadwiga Osiecka ist seit 30 Jahren Stadtdirektorin von Mrągowo) gaben uns die Ehre und haben am ersten Abendessen teilgenommen.
Das Essen, die Bedienung und alles drum herum klappte alle Tage vorbildlich!

17.06.2014 Am nächsten Morgen hieß es um 5.00 Uhr aufstehen. Um 6.00 Uhr fuhr der polnische Bus nach Kaliningrad (Königsberg) Russland.
Bei herrlichem Sonnenschein, die Straßen umsäumt von endlosen Feldern, Wiesen und Wäldern entdeckten wir Störche und Kraniche friedlich vereint.
In Masuren gibt es so viele Störche, wie bei uns Tauben. Überall sieht man Jungstörche in ihren Nestern.
Die polnisch-russische Grenze. Ein mulmiges Gefühl hatten wir alle.
Doch die Abfertigung verlief, dank der Anwesenheit von Herrn Osiecki zügig.
Auf der russischen Seite wartete unsere liebe und herzliche Stadtführerin Tamara.
Kerstin Harms tauschte für alle Mitreisenden Euro in Rubel um (1,- € ca. 40,- Rubel).
In Königsberg, das im 2. Weltkrieg bis zu 90% zerstört wurde, bewunderten und besichtigten wir den wiederaufgebauten Königsberger Dom der sehr beeindruckend ist sowie andere historische Bauten, die im alten Stil liebevoll restauriert sind.
Die goldenen Kuppeln der russisch orthodoxen Kirche leuchten hell über der Stadt.
Bei einem herzlichen Empfang mit Kaffee und Kuchen in der neuen evangelischen Kirche erholten wir uns.
Weiter ging es nach Svetlogorsk (Rauschen). Zwischen Königsberg und Rauschen sieht man keine bestellten Felder nur Brachland mit blauen Lupinen soweit das Auge reicht.
Der Badeort Rauschen an der Ostsee ist wunderschön gelegen, einige Häuser sind noch in der alten Bäderarchitektur erhalten.
Wir konnten die Ostsee genießen und hatten Zeit für einen Kaffee oder Bier bis wir dann wieder die Rückkehr zur Grenze antraten.
Auch die Abfertigung an der Grenze ging noch zügiger als morgens.
Um 21.30 erreichten wir wieder unser Hotel, dort wartete das freundliche Personal mit warmen Abendessen auf uns. Nach dem anstrengenden und aufregenden Tag, sind wir aber glücklich und zufrieden ins Bett gegangen.
Die Teilnehmer, die nicht mit nach Königsberg gefahren sind, besuchten Orte ihrer Vorfahren oder erkundeten die Stadt sowie die Umgebung.

18.06.2014 Nach dem Frühstück fahren wir erst um 8.30 Uhr nach Heilige Linde, einem Wallfahrtsort mit einer Basilika sowie einer berühmten Barockorgel. Während des Spielens bewegen sich die Engelsfiguren.
Ein Jesuitenkloster schließt sich der Basilika an.
Danach machten wir uns, mit der Reiseleiterin auf nach Ermland, in die alte Bischofsstadt Reszel (Rössel). Nach der Besichtigung der Burg, begrüßte uns der dortige katholische Prälat D. Wyrostek überherzlich in der gewaltigen Peter und Paul Kirche.
Hier hielten der Prälat und Pastor Tegler eine Andacht, Kerstin Harms spielte zu Ehren des Prälaten das schöne Lied „Czarna Madonna“ (Schwarze Madonna) auf der Trompete und die Teilnehmer sammelten eine Kollekte für die katholische Kirche.
Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto, verteilte der Prälat Postkarten von seiner Kirche und der Stadt und wollte uns zu unserem nächsten Punkt begleiten, aber leider hatte er eine Autopanne, schade.
Der nächste Punkt war Łęźajny (Lossainen) wo uns der Verwalter des Schlosses Thomas Dedon das renovierte Objekt zeigte und deren Geschichte erläuterte.
Auf dem Gut, das früher dem Admiral von Fischer und jetzt der Universität Olsztyn (Allenstein) gehört, wurden wir in den wunderschönen Räumen mit Kaffee und Kuchen bewirtet.
Anschließend kamen wir zu der der evangelischen Kirche in Warpuny (Warpuhnen).
Pastor Tegler wurde hier getauft, konfirmiert, getraut und seine älteste Tochter getauft. Die Kirche ist leider dem Verfall preisgegeben. Seit längerer Zeit gibt es dort keine evangelischen Gemeindeglieder mehr, aber der Verein Freunde Masurens e.V. ist seit seiner Gründung im Jahre 2010 bestrebt die Kirche zu retten.
Danach führte uns Pastor Tegler noch durch Mrągowo, wo er seit 1991 Ehrenbürger ist.
Abends war die Masurische Hochzeit, aber was ist das?
Der polnische Busfahrer fuhr uns in die Johannisburger Heide. Als wir in einen Waldweg abbogen, tauchte plötzlich eine junge Reiterin auf einem Schecken vor uns auf. Sie war mit einer weißen Bluse, rotem weitem Rock und roten Schnürstiefeln bekleidet. Ihr langes rotblondes Haar wehte im Wind. Sie führte uns zu drei Kutschen mit je zwei Pferden in denen wir Platz nahmen.
Es wurde eine herrliche Fahrt durch den Wald bei untergehender Sonne.
Plötzlich hielten die Kutschen mitten im Wald. Die Reiterin suchte mit ihrem Hengst das Brautpaar aus, es waren Eleonora S. und Peter W., wie, bleibt das Geheimnis der Reiterin und des Hengstes.
Es wurde sehr lustig. Auf dem Anwesen von Eulalia, einer Stiftung für verwahrloste Tieren, fand die Hochzeitsfeier bei fröhlicher Musik mit Essen und Tanz statt. Besonders lustig wurde es, als Herr M. aus unserer Gruppe mit einer Schubkarre unter einem Sack als Baby verkleidet hereingeschoben wurde und dann mit seinen „Eltern“ und den jungen angestellten Damen von Eulalias Stiftung polnische Folklore tanzte. Wir haben Tränen gelacht. Anschließend wurden noch zwei Pferde hereingeführt, die ihre Kunststücke zeigten.
Um Mitternacht erreichten wir wieder unser Hotel in der Stadt.

19.06.2014 Heute fahren wir zum Geburtshaus von Ernst Wiechert, einem Forsthaus mitten im Wald. Ernst Wiechert war ein großer deutscher Schriftsteller (manche vergleichen ihn mit Thomas Mann) mit einer sehr poesievollen Sprache.
Er schrieb auch viel über seine Heimat Masuren. Trotz des Fronleichnam-Feiertages wurde extra für unsere Gruppe die Gedenkstube des Dichters geöffnet und wer wollte konnte sich mit Informationsmaterial versorgen und Bücher sowie CD´ s erwerben.
An den Gräbern seiner Frau Meta und seines einzigen Sohnes legten wir die von Frau Jadwiga Osiecka liebevoll vom Waldrand gepflückten Blumen nieder.
Eine Andacht hielt dort Pastor Sowitzki.
Anschließend genossen alle Teilnehmer den romantischen Blick auf den großen Matz-See.
Weiter ging die Fahrt nach Gałkowo (Nickelshorst). Dort besuchen wir den Salon der Marion Gräfin Dönhoff im historischen Bau aus dem 19. Jahrhundert, den Graf Potocki von Sztynort (Steinort) dem Sitz des Grafen Lehndorffs in die Johannisburger Heide versetzte.
Die deutsche Journalistin, Renate Marsch Gräfin Potocka (die mit Gräfin Dönhoff befreundet war) erzählte uns viel und spannend von der großen Publizistin und Herausgeberin der Zeitung „Die Zeit“.
Mit Pferd und Wagen ging es weiter nach Krutyn (Kruttinnen).
Zunächst gab es ein sehr reichhaltiges und schmackhaftes masurisches Mittagessen und anschließend führte uns Eckhard Rudnick, ein noch ostpreußisches Original, durch den Nationalpark der Johannisburger Heide.
Danach machten wir eine Stakerfahrt auf der romantischen Kruttinna, dem schönsten Fluss Ostpreußens. Das Wasser ist so flach und klar, dass man auf den Grund schauen kann.
Schwäne und Enten mit ihren Jungen schwammen um uns herum.
Das Ufer war gesäumt mit alten Bäumen.
Die Stakerfahrt musste wegen der plötzlich aufgetauchten Wasserpolizei abgebrochen werden. Jetzt begab sich die ganze Gruppe zu Krystyna (der legendären Stakerin), die seit längerer Zeit krank ist…
Der Besuch bei der alten Ostpreußin, die uns Lieder und Gedichte über ihre Heimat vortrug war sehr ergreifend. Auch die Gruppe sang Lieder und trank mit Krystyna Wein, betete und Pastor Tegler und Kerstin Harms segneten sie.
So ging ein weiterer Tag voller unvergesslicher, bewegender und nachdenklicher Erlebnisse zu Ende.

20.06.2014 Heute geht die Fahrt nach Olsztyn (Allenstein). Auf der Fahrt in Mrągowo steigt der Stadtführer zu, der uns schon unterwegs einiges über Land und Leute erzählte. Fünf Tage hatten wir nur Sonnenschein und kurz vor der Ankunft fing es leider an zu regnen.
In Olsztyn besichtigen wir die Burg in der Nikolaus Kopernikus lebte und wirkte. Danach die Jakobikirche, heute die Kathedrale von Ermland sowie die Altstadt und danach hatten wir Zeit zur freien Verfügung.
Das nächste Ziel war Olsztynek (Hohenstein) mit seinem Freilichtmuseum.
Leider stürzte hier auf dem Kopfsteinpflaster eine Mitreisende und musste ins Krankenhaus gebracht werden.
Zunächst fand eine Andacht in der alten Holzkirche statt die unter dem Patronat des Vereins Freunde Masurens e. V. steht. Hier überreichte Pastor Tegler von Elfriede Rick aus Dresden ein für die Kanzel angefertigtes Antependium.
Mit dem Museum verbindet der Verein schon eine langjährige Partnerschaft.
Er hat auch bei der Einrichtung eines alten Pfarrhauses geholfen, Pastor Tegler´ s ersten Talar, eine Bibel von 1632, Altarparamente, ein Harmonium aus dem 17. Jahrhundert und vieles mehr.
Wir wurden auf zwei Gruppen aufgeteilt und mit zwei Museumsbegleiterinnen durch das interessante Museumsdorf geführt.
Am Abend fand in der vollbesetzten Sorquittener Kirche ein Vortrag von Prof. Dr. Zbiegniew Chojnowski (Universität Olsztyn) zum Thema „Ernst Wiechert in der polnischen und besonders in der masurischen Literatur nach dem II Weltkrieg“ statt.
Das Referat übersetzte Pastor Tegler und gab entsprechende zusätzliche Erklärungen und Bemerkungen um der deutschen Gruppe den Zugang zu Ernst Wiechert leichter zu ermöglichen.
Landrat Bogdan Kurta, der das Patronat über den „Sorquittener Gesprächen“ hat, dankte dem Referenten, Übersetzer, dem Hausherrn und den vielen Gästen für das Kommen und lud zu den nächsten Gesprächen ein.
Im Anschluss gab es einen Sektempfang im neuen Jugendzentrum, vorbereitet von der Schule Nr. 2 in Mrągowo und der dortigen evangelischen Kirchengemeinde.
Während des Empfanges ergaben sich viele interessante Gespräche mit dem Prof. Chojnowski, Pastor Tegler und anderen Persönlichkeiten.
Außer den Gemeindegliedern, unserer Gruppe waren unter anderem auch Vertreter der Deutschen Minderheiten aus den Nachbarkreisen sowie vielen geladenen Gästen, darunter auch eine große Gruppe aus Bydgoszcz (Bromberg).

21.06.2014 Leider bei Regen geht es heute um 8.00 Uhr nach Kętrzyn (Rastenburg).
Pastor Pawel Hause zeigte uns die Stadt Ketrzyn und erklärte viele historische wertvolle Bauten.
Er zeigte uns die große katholische St. Georg Kirche. Diese gotische Kirche ist umgeben von den Resten von Wehrmauern mit den interessanten Basteien sowie dem neuangelegten Lapidarium.
Anschließend zeigte uns Pastor Hause seine kleine evangelische Kirche (die einzige für zwei Landkreise) spielte uns ein paar Choräle auf der kaputten Orgel und dann feierten wir zusammen die Morgenandacht wo auch für die gestürzte Teilnehmerin gebetet wurde.
Wir sammelten, wie auch in anderen Fällen, Spenden für die Gemeindearbeit der dortigen Diaspora-Gemeinde.
Bei strömenden Regen besichtigten wir danach die Wolfsschanze und gelangten an den gesprengten Gebäuden (6 Meter dicke Wände) vorbei zum Führerhauptquartier. Hier verübte Graf Schenk von Stauffenberg am 20.07.1944 das Attentat auf Hitler.
Es goss wie aus Kübeln, passend zum traurigen Thema.
Wir verkürzten die Besichtigung und Jerzy Szynkowski, ein ausgezeichneter Reiseführer über das Masurenland hat seinen interessanten Vortrag im Bus fortgesetzt und im Anschluss kauften viele Reiseteilnehmer seine signierten Bücher.
Die Fahrt wurde über Sztynort (Steinort) fortgesetzt wo wir Gelegenheit hatten einige Bilder von dem zurzeit renovierten Schloss der Grafen Lehndorffs zu machen.
Weiter ging die Fahrt über Giźycko (Lötzen) nach Ryn (Rhein).
In Ryn legten wir auf dem vom Verein Freunde Masurens e. V. im Jahre 2011 errichtetem Grabmal für 24 ermordete Frauen, Kinder und alten Männern ein Gesteck mit den Farben schwarz/ rot/ gold und einer Schleife nieder.
Kerstin Harms spielte zum Gedenken an die Opfer auf ihrer Trompete „Harre meine Seele“.
Dem schlossen sich ein Lied von den Teilnehmern und Gästen sowie ein Gebet an.
Von hier aus machten einige Mitreisende einen Abstecher mit dem Taxi in ihre Geburtsorte.
Mit dem Abendbrot endete wieder ein Tag.

22.06.2014 (Sonntag) Heute Morgen ist Gottesdienst in Sorkwity, alle haben sich festlich gekleidet. Die Predigt in polnischer Sprache zu Johannes 14,27: „Meinen Frieden gebe euch!“ hielt Pastor Tegler. Für uns hat er die Predigt ins Deutsche übersetzt und jeder bekam eine Übersetzung hiervon vor dem Gottesdienst.
Zur Feier des Heiligen Abendmahls wurden alle Teilnehmer eingeladen (ob evangelisch oder katholisch) und es wurde eine schöne und erbauliche Feier. Traurig waren wir aber, das Kerstin Harms die den Gottesdienst mitgestalten wollte nicht dabei sein konnte, sie war mit der kranken Teilnehmerin unterwegs zum Flughafen nach Gdansk (Danzig).
Nach dem Gottesdienst hat Pastor Mutschmann und seine Frau Hanna die Gruppe zu einem üppigen und sehr schmackhaftem Mittagessen eingeladen.
Dabei waren auch Gemeindeglieder mit denen fruchtbare Gespräche geführt und Freundschaften geschlossen wurden.
Nachmittags waren wir eingeladen zur Deutschen Minderheit nach Giźycko (Lötzen). Hier gab es selbstgebackenen Kuchen und ganz viel Liebe. Die Vorsitzende Barbara Ruzewicz informierte uns über die Arbeit ihres Vereins, der Zusammenarbeit mit der Stadt und des Landkreises Giźycko sowie der dortigen Kirchengemeinde. Sie lobte und dankte dem Verein Freunde Masurens e. V. für die vorbildliche Zusammenarbeit, Hilfe und Unterstützung.
Anschließend wurde viel gesungen, erst der „Lötzener Chor“, dann wir und schließlich alle zusammen. Man erlebte, wie Gesang die Menschen verbinden kann.
Im Anschluss zeigte Barbara Ruzewicz uns ihre Stadt, die evangelische Kirche (Schinkelbau, sie ist ebenfalls die einzige Kirche für zwei Landkreise) und das Kreuz vom Heiligen Bruno.
An dieser Stelle möchte ich hinzufügen: 50 % der Polen kommen finanziell gut zurecht, aber die anderen 50 % leben am Existenzminimum.
Menschen der Deutschen Minderheit gehören zu den Sozialschwachen.
Oft leben bis zu 6 Personen auf 40 qm und andere mit 6 Personen in einem Zimmer (lt. Frau Ruzewicz).
Man muss es Frau Harms und Pastor Tegler hoch anrechnen, dass sie diesen Leuten so selbstlos helfen, indem sie mehrere Male im Jahr mit einem LKW mit Spenden beladen dorthin fahren.

23.06.2014 Heute, Montag fahren wir nach Wojnowo (Eckertsdorf) und besichtigen dort insbesondere das Philipponen Kloster der Dreifaltigkeit. Einen kleinen Vortrag zum Thema des 1847 gegründeten Klosters hält Pastor Tegler und erzählt über die Geschichte, und dass heute das Kloster in Privatbesitz ist, weil es keine Nonnen mehr gibt.
Philipponen waren die radikalste Gruppe der Altorthodoxen Christen, die auf einen Mönch namens Philipp zurückgehen.
Anschließend brachte uns der Bus nach Ruciane-Nida, von dort fuhren wir mit dem Schiff nach Mikołajki (Nikolajen). Dort auf dem Schiff gab es echte Krakauer Wurst, polnisches Bier und natürlich wer wollte auch Wodka.
Die Schifffahrt war traumhaft schön und das Wetter wie auf Bestellung.
Auf dem Schiff war unsere Gruppe fast alleine.
Kerstin Harms hat ihre beiden Patenkinder sowie deren beide Brüder und Mutter aus Mikołajki zu dieser Schifffahrt (privat) eingeladen. Es war für die Kinder und die Mutter die erste Fahrt auf dem Schiff in ihrem Leben, obwohl sie am Wasser leben.
Die Kinder waren eine Attraktion für alle Passagiere, sie waren alle schön und festlich gekleidet und jedes Kind hatte seine Tasche mit Essen und Trinken dabei.
Durch diesen Ausflug waren nicht nur die Kinder, aber auch wir alle reich beschenkt, froh und dankbar für diese schöne Zeit.
Die Gruppe machte noch einen Spaziergang durch Mikołajki, dem „masurischen Venedig“. Die Stadt wurde als eine von wenigen im II. Weltkrieg nicht zerstört und ist heute schöner als sie vor dem Krieg war.
Voller neuer schöner Eindrücke fahren wir in das Hotel zurück, wo wir beim festlichen Abendessen, Musik und Tanz Abschied von Masuren nehmen.
An diesem Abend waren außer dem Ehepaar Osiecki, sehr reizende Leute, die uns auf vielen Fahrten begleitet haben, noch das Ehepaar Bielski und Gäste der Deutschen Minderheit eingeladen.
Kerstin Harms überreichte dem Ehepaar Osiecki und dem Ehepaar Bielski (Besitzer des Hotels, in dem die Gruppe schon 18 mal Quartier bezogen hat) Geschenke sowie Dankesurkunden des Vereins „Freunde Masurens e. V.“ und alle Mitarbeiter wurden mit kleinen Geschenken und je 15,- € Trinkgeld von den Reiseteilnehmern bedacht.
Es wurde ein sehr lustiger Abend und so manch ein Wodka und Bärenfang getrunken.

24.06.2014 (Abreisetag aus Mrągowo) Morgens gegen 8.30 Uhr fahren wir nach Olsztyn, (Allenstein) Ostróda (Osterode) nach Frombork (Frauenburg). Nach der Dombesichtigung geht es weiter an das Frische Haff und dort legten wir ein Gebinde an das Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung im Januar 1945 nieder. Pastor Sowitzki blies auf seiner Trompete einen Choral.
Danach gingen wir an das Frische Haff.
Am Nachmittag besuchen wir die alte Hansestadt Elblag (Elbing). Als Stadtführerin wurde uns vom dortigen evangelischen Pastor Frau Hilda Kristina Sucharska empfohlen, eine gebürtige Ostpreußin (die als Kind auf der Flucht hier hängen blieb) heute Vorsitzende des Vereins Deutsche Minderheit und Mitglied im evangelischen Kirchenvorstand. Es kamen interessante Gespräche zustanden.
Nächste Station ist Malbork (Marienburg); erst beziehen wir Quartier im Hotel Stary Malbork, ein Hotel was ganze 800,- € teurer ist, als das Hotel Majewski wo man uns schon im Januar 2014 zugesagt und im Mai, abgesagt hat.
Hier geschah eine gelungene Überraschung. Der Chor „Legende“ aus Kaliningrad (Königsberg) besuchte uns dort und gab ein 45 minütiges Konzert zur größten Freude unserer Gruppe.
Dann fuhren wir zur Marienburg, nach Bezahlung des Eintritts und der nötigen Gebühren wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und mit den zwei reizvollen Burgführerinnen erlebten wir eine nächtliche unvergessliche Führung, eines der größten Erlebnisse auf dieser Reise. Die Marienburg hat eine bebaute Fläche von ca. 20 ha und ist 500 Meter lang.
Langsam wurde es dämmrig. Staunend sahen wir die imposanten Räume der Hochmeister in deren bunten Glasfenstern sich die letzten Sonnenstrahlen brachen.
Aus den unteren Räumen ertönte Mönchsgesang. Man wurde ganz still und andächtig. Die Marienburg ist mit ihren Backsteinmauern die bedeutendste Ordensburg der Deutschordensritter und die größte der Welt.
Kerstin Harms und Pastor Tegler machten sich noch auf um ein Hotel für 2015 zu suchen.

25.06.2014 Gdansk (Danzig) ist unsere nächste Station. Über die Nougat, einem Seitenarm der Weichsel, fuhren wir in die Stadt. Gdansk (Danzig) ist eine der schönsten Städte die ich kenne, ein Kleinod.
Die Stadt ist 1945 zu 100 % zerstört worden und wurde liebevoll bald nach dem Krieg von Polen originalgetreu wieder aufgebaut.
Ein junger Reiseleiter erzählte beeindruckend und sehr plastisch von seiner Heimatstadt.
Über Słupsk (Stolp), welches auch sehr zerstört wurde, geht es nach Kołobrzeg* (Kolberg) in unser Hotel Solny. Hier findet die letzte Übernachtung statt.
Hier haben mein Mann und ich uns schon vor 35 Jahren eingemietet.
Nachdem Abendessen machten wir einen 6 Kilometer langen Spaziergang an der Ostsee entlang bis zur Seebrücke.
Vor dem Krieg hatte Kolberg 40.000 Einwohner, heute zählt die Stadt fast 200.000.
Die Altstadt war bis zu 85-90 % zerstört, heute aber ist alles wieder aufgebaut und vieles größer und schöner.´

26.06.2014 Am letzten Tag der Reise machen wir Halt in Szczecin (Stettin).
Hier treffen wir den jungen und fröhlich sehr bewanderten Stadtführer Marcin Kuta.
Mit ihm gehen wir zum Schloss der pommerschen Herzöge sowie zum Geburtshaus von Katharina der Großen.
Bei einer Stadtrundfahrt bewundern wir die Peter und Paul Kirche, sie ist die älteste Kirche der Stadt. Wir fahren am Königstor, 1720 erbaut, am Nationalmuseum und an den Hakenterrassen (nach dem Namen des Oberbürgermeisters Hermann Haken) vorbei.
Die neue Philharmonie ist noch erwähnenswert. Sie hat 1300 Plätze, ist sehr modern gebaut und sieht aus, als wären mehrere weiße spitze Berge aneinander gereiht.
Man nennt Stettin auch das „Kleine Paris an der Oder“.
Der Architekt Hausmann, der auch den Baustil in Paris maßgeblich beeinflusst hat, war auch hier federführend. Es gibt hier, genau wie in Paris, keinen Marktplatz.
Die Stadt zählt heute 400.000 Einwohner und 20.000 Studenten.
Sie ist Bischofsitz und im Westend befindet sich das Dietrich-Bonhoeffer Haus.
Nach einem Superessen in einem typischen polnischen Lokal fuhren wir zu einem Polenmarkt, um unsere letzten Zlotys auszugeben.
Dann traten wir den letzten Rest der Heimreise an.
Ein ganz großes Lob gebührt unserem Fahrer Uwe, der uns die Zeit über sicher gefahren hat. Herzlichen Dank, lieber Uwe!
Nach mehreren Pausen kommen wir pünktlich um 20.00 Uhr an, wo wir von Angehörigen, Freunden und Verwandten abgeholt wurden.
Nun müssen wir Abschied nehmen. 12 Tage waren wir unterwegs, haben wunderschöne Ausflüge gemacht, haben viel gesehen, gebetet, gesungen und gelacht.
Aus den einzelnen Reisenden wurde eine große Familie.
Die Menschen der Deutschen Minderheit, aber auch die Polen haben uns mit großer Herzlichkeit empfangen. Wir sind als Fremde gekommen und wurden Freunde.
Wir danken Gott, dass er uns zu Pastor Tegler und Kerstin geführt hat, die diese Reise hervorragend organisiert haben. Ihnen gilt unser Dank.

Wir werden diese wunderschönen Eindrücke in unseren Herzen bewahren.

(Gebet)

Gott, wir danken Dir, dass Du die ganze Zeit bei uns warst und Deine schützende Hand über uns gehalten hast. Amen!

Karin Strehlow


 

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