Foto: Przemeslaw Mohr
Foto: Przemeslaw Mohr

Masurenreise

Litauen-Masuren-Studienfahrt vom 25. Mai bis 2. Juni 2026

 

Unsere Litauen-Masuren-Studienfahrt vom 25. Mai bis 2. Juni 2026 war geprägt von vielen interessanten Begegnungen, eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten und bewegenden historischen Orten. In den kommenden Tagen veröffentlichen wir hier den Reisebericht in mehreren Abschnitten – ergänzt durch zahlreiche Bilder, die die Eindrücke der Reise festhalten.

Reisebericht der Litauen-Masuren-Studienfahrt 2026

„Auf Wegen und Wellen – von der Kurischen Nehrung bis Masuren“

 

Reisebericht – Abschied von Poznań und Rückfahrt in die Heimat

 

Tag 9 (02.06.2026)

 

Nach dem Frühstück begann die Stadtbesichtigung in Poznań. Begleitet wurden wir von dem Stadtführer Piotr, der die Geschichte der Stadt auf eine sehr lebendige, humorvolle und dynamische Weise vermittelte. Mit vielen kleinen Anekdoten, überraschenden Details und einem lockeren Erzählstil gelang es ihm, uns die lange Geschichte Posens anschaulich und unterhaltsam näherzubringen.

Poznań zählt zu den ältesten Städten Polens und gilt als eine der Wiegen des polnischen Staates.

Das Herz der Stadt bildet jedoch der Alte Markt (Stary Rynek), einer der schönsten Plätze Europas. Umgeben von farbenfrohen Bürgerhäusern und dem prachtvollen Renaissance-Rathaus entfaltet sich hier ein lebendiges Stadtbild. Besonders bekannt ist die mechanische Uhr des Rathauses, bei der täglich um zwölf Uhr zwei Ziegenböcke erscheinen und symbolisch mit den Hörnern aneinanderstoßen – ein beliebtes und charmantes Wahrzeichen der Stadt.

Da wie immer die Zeit eng getaktet war, hatten wir nur 1,5 Stunden Zeit für die Führung und sahen nur die Umgebung der Altstadt sowie die Kirche des hl. Bischofs Stanislaus in Poznań (Posen).

Die Kirche des hl. Bischofs Stanislaus gehört zu den bedeutendsten sakralen Bauwerken der Stadt. Mit ihrer eindrucksvollen barocken Architektur und der reich gestalteten Innenausstattung vermittelt sie einen tiefen Eindruck der religiösen und kulturellen Geschichte der Region. Besonders die kunstvollen Altäre, die Deckenmalereien und die feierliche Atmosphäre im Kirchenraum hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck, auch wenn die Besichtigung aufgrund der knappen Zeit nur kurz ausfallen konnte.

Nach der Stadtführung hieß es Abschied nehmen. Die Rückfahrt in Richtung Heimat begann, begleitet von vielen Eindrücken der vergangenen Tage. Unterwegs wurde noch ein Mittagsimbiss von Uwe am Bus eingenommen. Es gab eine leckere Suppe, die in gewohnt guter Manier serviert wurde, sowie den letzten Rest Sekt, der den Reiseverlauf noch einmal in geselliger Runde abrundete. So wurde auch diese kleine Pause zu einem gemeinsamen Moment des Innehaltens, bevor die Reise weiter nordwärts führte.

Am Abend erreichten wir schließlich wieder pünktlich Scharnebeck. Damit endete eine abwechslungsreiche Reise durch Litauen, Masuren und Westpolen – geprägt von Naturerlebnissen, historischen Orten, persönlichen Begegnungen und vielen gemeinsamen Erinnerungen. Während der Busfahrt wurden viele Gespräche geführt, Lieder gesungen und fast jeden Tag von unserem Jürgen eine ausgearbeitete Andacht gehalten. Rosi, unsere Vorsängerin, stimmte hierzu immer mit viel Gefühl und passenden Liedern ein.

Ich möchte mich bei allen Mitreisenden für ihre Teilnahme an der Reise bedanken, ebenso bei allen Mitwirkenden und Helfern, die mich in diesen neun Tagen in jeglicher Form unterstützt haben. Ohne euch wäre vieles so nicht möglich gewesen.

Es war eine besondere Reise, die uns allen sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Vielen, vielen herzlichen Dank
Eure Kerstin Harms

 

Reisebericht – Abschied von Masuren und Weiterreise nach Poznań (Posen)

 

Tag 8 (01.06.2026)

 

Am Morgen hieß es Abschied nehmen von Masuren bei strömendem Regen. Wir sagten, der Himmel weine, weil wir dieses schöne Fleckchen Erde verlassen. Nach dem Frühstück und dem Verladen der Koffer verließen wir die Seenlandschaft und machten uns auf den Weg in Richtung Westen. Erstes Ziel war Olsztyn (Allenstein) , die heutige Hauptstadt der Region Ermland-Masuren. Die Stadt entwickelte sich rund um die Burg des Domkapitels und liegt malerisch an der Łyna (Alle).

Bei einem Rundgang mit der Studentin Joanna – einer sehr ehrgeizigen und sympathischen Germanistikstudentin im dritten Semester, die ihre erste Stadtführung mit uns machte – erhielten wir in kurzer und prägnanter Form einen Einblick in die Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Dabei konnte man die Atmosphäre auf sich wirken lassen auch kleine Cafés, restaurierte Fassaden und historische Gebäude luden zum Verweilen ein.

Besonders bedeutend ist die Burg, in der der Astronom Nikolaus Kopernikus zeitweise lebte und arbeitete. An seinem Denkmal wurden viele Fotos gemacht – vor allem von mir, wie ich auf seinem Schoß sitze. Leider warte ich bis heute noch auf diese Aufnahmen. Weiter ging es zum Hohen Turm sowie in den großen Park vor der Burg, wo sich die Anlage in ihrer gesamten Weite und historischen Wirkung besonders eindrucksvoll entfaltet. Einige Mitreisende setzten sich in die Cafés und aßen ein großes Stück Torte.

 

Im Anschluss führte die Reise nach Olsztynek (Hohenstein). Der Ort ist eng mit der Geschichte der Region verbunden und bekannt durch die Ereignisse der sogenannten zweiten Tannenbergschlacht von 1914. Heute erinnert ein steinerner Löwe auf dem Marktplatz an das ehemalige Hindenburg-Denkmal zu dem wir aber nicht gefahren sind. Unser Weg führte uns in das dortige eindrucksvolle Freilichtmuseum für Volksarchitektur, das mit historischen Holzhäusern, Windmühlen und traditionellen Bauformen einen Einblick in das ländliche Leben vergangener Jahrhunderte bietet.

In diesem Museum steht auch eine alte Holzkirche, für die unser Verein „Freunde Masurens“ im Jahr 2012 das Patronat übernommen hat. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde auch bei der Einrichtung eines alten Pfarrhauses unterstützt. Im Pfarrhaus befinden sich unter anderem persönliche und historische Gegenstände, die mit der Geschichte der Kirche verbunden sind, darunter der erste Talar von Pastor Tegler, eine Bibel aus dem Jahr 1632, zwei Paramente sowie ein historisches Harmonium aus dem 17. Jahrhundert, welches wir von Lüneburg nach Olsztynek transportiert haben.

Wer keine Besichtigung unternahm, konnte im Museumslokal einen Mittagsimbiss einnehmen, bevor die Reise weiter in Richtung Westen führte. Hier erlebte ich eine weitere unerwartete Essenspanne. Ein Jahr lang hatte ich mich auf die Piroggen Ruskie gefreut, die ich dort immer esse und die dort wirklich besonders lecker sind, und ich hatte bereits im Bus davon geschwärmt. Als wir unsere Bestellung aufgaben, bekamen zunächst alle ihr Essen serviert – nur Uschi und ich gingen leer aus, da wir uns eine Portion teilen wollten. Wir warteten eine ganze Weile in der Hoffnung, dass unsere Bestellung noch kommt, und gingen schließlich zur Küchenausgabe nachfragen. Dort erhielten wir jedoch die Auskunft, dass alle Essen bereits ausgegeben worden seien.

Daraufhin verlangten wir traurig unser Geld zurück. Zum Glück bot mir unser lieber Mitreisender Otto die Hälfte seiner Portion an, sodass ich nicht ganz hungrig weiterfahren musste. Uschi setzten wir auf Diät.  

 

Gegen Abend erreichten wir schließlich Poznań (Posen). Da unser Hotel direkt in der Altstadt liegt, konnten wir nicht unmittelbar davorhalten. Das war mir jedoch bereits im Vorfeld bewusst, und ich hatte mir vom Hotel beschreiben lassen, wo der Bus kurz halten kann, damit wir aussteigen und mit dem Gepäck zum Hotel gehen können.

Der vorgesehene Halteplatz war allerdings zu klein und zu eng, sodass wir uns immer weiter vom Hotel entfernten. Auf einem Busparkplatz wurden schließlich zwei Mitreisende, Matthias und Klaus, losgeschickt, um die Lage zu erkunden. Nach einer ganzen Weile kamen sie zurück und berichteten, dass wir alle zu Fuß zum Hotel gehen müssten. So weit war es dann jedoch nicht (für mich?).

Schließlich konnten wir die letzten Meter doch gemeinsam bewältigen und bezogen das Hotel Palazzo Rosso in der Altstadt.

Die Stadt, eine der ältesten und geschichtlich bedeutendsten Polens, zeigte sich bei unserer Ankunft in ihrer modernen und zugleich historischen Vielfalt. Nach dem gemeinsamen Abendessen – einem mehrgängigen, sehr schmackhaften italienischen Menü an einer festlich gedeckten Tafel – konnten diejenigen, die noch Lust auf einen ersten Eindruck der Stadt hatten, einen Spaziergang durch die neu gestaltete Altstadt unternehmen und die besondere Atmosphäre des Abends genießen.

Besonders freuen wir uns über die wunderschönen Abend- und Nachtaufnahmen, mit denen uns zwei unserer Teilnehmer beschenkt haben. Sie fangen die stimmungsvolle Atmosphäre der Stadt ein und lassen auch diejenigen, die nicht dabei sein konnten, an diesen besonderen Eindrücken teilhaben.

So endete der Reisetag zwischen Masuren und Großpolen – geprägt von historischen Eindrücken, landschaftlichen Wechseln und dem langsamen Übergang von der Seenlandschaft in die städtische Kultur Polens.

 

Reisebericht – Masuren zwischen Natur, Geschichte und Erinnerung

 

Tag 7 (31.05.2026)

 

Der Tag beginnt mit einem freien Vormittag, der Raum für eigene Erkundungen lässt. Die meisten Mitreisenden haben sich aber angeschlossen und sind in die stille Waldlandschaft nach Piersławek (Kleinort), dem Geburtsort des Schriftstellers Ernst Wiechert mitgefahren. Sein ehemaliges Geburtshaus liegt eingebettet in die typisch masurische Natur, die er selbst in seinen Werken immer wieder beschrieben hat. Auf dem Weg dorthin hörten wir von der CD „Mein letzter Besuch bei meinem Vater in der Heimat“.

Ernst Wiechert wurde als Sohn eines Försters im Forsthaus Kleinort (Piersławek) geboren. Nach dem Abitur und Studium wurde er Studienrat am Königlichen Hufengymnasium in Königsberg, wo er die Fächer Deutsch und Naturwissenschaften unterrichtete. Bereits hier schrieb er Romane, Novellen und Erzählungen. 1912 heiratete er seine langjährige Verlobte Meta Mittelstädt.  Wiechert gehörte zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit, seine Werke erreichten Millionenauflagen. Er schreibt in seinen Büchern, dass es auf der Welt nirgends so viele Seen, Moore, Reiher, Adler und Störche gibt wie in Masuren. (Buch: „Wälder und Menschen“).

 

Unsere Mitreisende Bärbel berichtete im Bus über die Verbindung ihres Großvaters zu Ernst Wiechert: Der Vater von Ernst Wiechert war königlicher Förster in Kleinort. Bei einer Jagd schoss er sich versehentlich ins Knie, musste frühzeitig in den Ruhestand gehen und zog nach Peitschendorf. Nach den Aufzeichnungen meines Vaters übernahm mein Großvater Emil Ernst Kassner dann 1913 das Forstamt Kleinort. Mein Vater Otto Kassner verbrachte seine Kindheit und Jugend dort so wie Wiechert vor ihm. Ich besitze das Buch „Wälder und Menschen“ mit der Beschreibung des Hauses, in dem mein Vater wie auch Wiechert groß wurde, von ihm mit zahlreichen Randbemerkungen in deutscher Schrift kommentiert. In meiner Kindheit hat mein Vater mir viel aus seinem Leben in Kleinort erzählt – von den Seen oder dem Kruttinnenfluss. Zur Schule nach Sensburg musste er zuerst 4 Kilometer zu Fuß laufen und dann mit dem Milchwagen fahren. Ernst Wiechert war dem Forsthaus sehr verbunden und kam immer mal sonntags zum Kaffee vorbei, erzählte mein Vater. Für mich war es bewegend, diesen Ort, den ich nur aus Erzählungen kannte, endlich einmal zu sehen.

 

Bereits im Vorfeld von zu Hause aus hatte ich dem neuen Förster geschrieben, der seit Januar 2026 neu im Amt ist. Leider schien er weder Deutsch noch Polnisch ausreichend verstanden zu haben, sodass mein Anliegen nicht wie gewünscht angekommen ist. In meiner Nachricht hatte ich geschrieben, dass ich am 31. Mai 2026 gegen etwa 9:00 Uhr mit einer Gruppe zum Elternhaus von Ernst Wiechert kommen werde und wir würden auch gern das Museum besichtigen.

Als wir schließlich vor Ort waren, versuchte Dorota, unsere einzige polnisch sprechende Mitreisende, ihn telefonisch zu erreichen. Er teilte jedoch mit, dass Sonntag sei und das Museum nur von Dienstag bis Freitag geöffnet habe.

Leider konnten wir somit nur auf das Grundstück und das Geburtshaus ansehen, aber leider nicht in das Museum. Hier spielte ich zum Trost aller auf der Trompete vier Strophen von „Land der dunklen Wälder“.

 

Dann fuhren wir mit dem Bus durch eine von Wäldern geprägte Landschaft, die bereits eine besondere Ruhe ausstrahlte und auf den bevorstehenden Besuch einstimmte. Anschließend setzten wir den Weg zu Fuß durch den Wald fort – begleitet von einem von Walter gepflückten Wiesenblumenstrauß, den wir mitgenommen hatten.

So näherten wir uns Schritt für Schritt der kleinen eingezäunten Friedhofstelle.

Auf einer kleinen Anhöhe im Wald befinden sich die Gräber von Meta Mittelstädt, der ersten Ehefrau Wiecherts, sowie ihres nur einen Tag alten Sohnes Ernst-Edgar. Der Ort liegt ruhig über dem Jezioro Majcz Wielki (Großen Maitzsee) und strahlt eine besondere, fast zeitlose Faszination aus.

Der mitgebrachte Wiesenblumenstrauß wurde behutsam niedergelegt und fügte sich still in die natürliche Umgebung ein. In dieser friedvollen Abgeschiedenheit verband sich Natur, Geschichte und Erinnerung auf eindrucksvolle Weise. Nach einer kurzen Andacht von Jürgen sprachen wir gemeinsam das Vaterunser. Im Anschluss sangen wir gemeinsam zu meinem Trompetenspiel „So nimm denn meine Hände“.

Zwischen alten Bäumen, Vogelstimmen und dem sanften Rauschen des Waldes sowie dem Blick über den See entstand ein Ort der Besinnung, der die Besucher spürbar berührte. Viele von uns nahmen sich einen Moment der Stille, um innezuhalten und der bewegenden Geschichte dieses Ortes nachzuspüren.

 

Im Anschluss ging es nach Krutyń (Kruttinnen), einem der bekanntesten Orte Masurens. Hier begann die Stakerfahrt auf der Kruttinna, dem schönsten Fluss Ostpreußens, der oft als „Perle Masurens“ bezeichnet wird. Die Stakerfahrt führte durch eine ursprüngliche Flusslandschaft aus Wald und Schilf, die sich ihren natürlichen Charakter bis heute bewahrt hat. Entlang des langsam dahingleitenden Flusses eröffnen sich dichte Uferlandschaften, spiegelnde Wasserflächen und eine von der Natur geprägte Ruhe, wodurch die Fahrt einen beinahe zeitlosen Charakter erhält und die Landschaft unmittelbar erlebbar wird.

Das leckere Mittagessen wurde anschließend in einem urigen Lokal direkt an der Kruttinna eingenommen. Schon Tage zuvor war abgefragt worden, wer Fisch oder Fleisch zum Essen bevorzugt. Für die Mitreisenden, die am Vormittagsprogramm nicht teilgenommen hatten, wurden mit dem Taxi zum Mittags- und Nachmittagsprogramm gebracht. Somit war die Gruppe beim Essen wieder vollständig vereint.

 

Auf dem Weg zum Bus machten wir noch einen Abstecher auf den Friedhof in Krutyń, wo seit diesem Jahr unsere liebe Freundin und frühere Stakerin Krystyna Kozioł ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Dort legten wir ein vor Ort bestelltes Gesteck nieder, versehen mit einer Schleife, die wir von zu Hause mitgebracht haben, auf ihr stand: „In stillem Gedenken – Freunde Masuren e. V.“

Anschließend führte die Reise weiter nach Ryn. In Ryn war Pastor Teglers erste Pfarrstelle, und hier hat er 40 Jahre lang darum gekämpft, den 24 deutschen Frauen, Kindern und alten Männern, die im Januar 1945 von der Roten Armee getötet und in einem Massengrab verscharrt wurden, ein würdiges Grabmal zu setzen. Dieser Einsatz hat sich gelohnt: 2011 konnte der Verein Freunde Masurens dieses Grabmal feierlich und würdig mit hochkarätigem Publikum und vielen Gästen und Freunden einweihen.

Auf dem Friedhof wurde anschließend auch ein Gesteck mit einer Schleife niedergelegt; auf der Schleife stand ebenfalls: „In stillem Gedenken – Freunde Masuren e. V.“

 

Nach einer kleinen Andacht und dem Vaterunser spielte ich auf der Trompete „Harre, meine Seele“. Die feierlichen Klänge trugen sich über den Friedhof und gaben dem Moment eine besondere Tiefe. Im Anschluss stimmten wir gemeinsam einen Choral an, der die stille Verbundenheit der Anwesenden noch einmal auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck brachte.

Das Stadtbild von Ryn wird maßgeblich durch die eindrucksvolle Burg geprägt, die heute als Hotel genutzt wird und das historische Zentrum der Stadt dominiert. Sie erinnert bis heute an die bewegte Geschichte der Region und verleiht dem Ort eine besondere Ausstrahlung.

Einen reizvollen Kontrast dazu bildet die alte Mühle, die als Zeugnis traditioneller Handwerkskultur erhalten geblieben ist. Sie vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom früheren Alltagsleben und ergänzt das historische Ensemble der Stadt auf eindrucksvolle Weise. Heute ist in der Mühle ein Restaurant untergebracht, und es hat bereits Tradition, dass wir nach dem Friedhofsbesuch dort einkehren und das typische Honigbier genießen.

 

Die Fahrt setzte sich schließlich fort nach Krzyżany. Der Ort steht exemplarisch für die bewegte Geschichte der Region und ist eng mit dem Schicksal unseres Mitreisenden Gerhard Borrek verbunden. Seine Familie stammte aus Krzyżany (Steinwalde), wo seine Großeltern im Winter 1945 unter tragischen Umständen im Zusammenhang mit den Ereignissen des Kriegsendes und dem Vorrücken der Roten Armee ums Leben kamen, nachdem die Familie bereits in den Westen geflohen war.

Bei seiner Familienforschung erfuhr Gerhard Borrek später von diesem Schicksal. Viele Jahre blieb das Versprechen bestehen, den Großeltern ein würdiges Grab bzw. eine angemessene Erinnerung zu schaffen. Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2018, kehrte er gemeinsam mit seiner Frau in den Heimatort seiner Vorfahren zurück. Dort entdeckte er auf dem alten Friedhof überwucherte, kaum noch erkennbare Gräber.

Aus diesem Besuch entstand der Wunsch, einen dauerhaften Erinnerungsort zu schaffen – nicht nur für seine eigene Familie, sondern auch für die ehemaligen Bewohner des Ortes. Über den Verein „Freunde Masurens“ kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit den zuständigen polnischen Behörden. Nach Erteilung aller Genehmigungen durch die Gemeinde Ryn und das Denkmalamt in Ełk (Lyck) konnten schließlich im Jahr 2019 zwei Gedenksteine auf dem Friedhof von Krzyżany errichtet und feierlich eingeweiht werden. An der Zeremonie nahmen Teilnehmer unserer Masurenreise, Vertreter der Gemeinde sowie zahlreiche Gäste teil.

So verbindet dieser Ort eindrucksvoll persönliche Erinnerung, regionale Geschichte und gemeinsame europäische Gedenkkultur – eingebettet in die stille Landschaft Masurens, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. Hier wurde ebenfalls ein Gesteck mit Schleife niedergelegt, als stilles, sehr persönliches Zeichen des Gedenkens von Gerhard Borrek an seine Großeltern.

 

Dann brach unser letzter Abend in Masuren an – mit einem gemeinsamen Abendessen im Hotel und einem etwas wehmütigen Ausklang einer eindrucksvollen Reise, getragen von vielen Erinnerungen, Begegnungen und Bildern, die noch lange nachwirken werden.

 Reisebericht Kultur, Geschichte und Begegnungen Teil VI 

 

Tag 6 (30.05.2026)

 

Nach einem gemütlichen Frühstück stand der Vormittag zunächst zur freien Verfügung. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die Annehmlichkeiten des Hotels zu genießen, die Umgebung zu erkunden oder einfach etwas Ruhe zu finden. Eine größere Gruppe entschied sich jedoch für einen Ausflug nach Święta Lipka, dem bekannten Wallfahrtsort Heilige Linde, der zu den bedeutendsten sakralen Sehenswürdigkeiten Masurens zählt.

Dort erwartete die Besucher zunächst eine Führung durch die beeindruckende barocke Wallfahrtskirche in Święta Lipka durch unsere liebe Elsbieta, den meisten bekannt und stets zu Busfahrer Uwes Freude an ihren roten Schuhen zu erkennen.

Die Kirche gilt als eines der bedeutendsten barocken Sakralbauwerke Polens und ist ein wichtiger Wallfahrtsort mit einer jahrhundertealten Geschichte. Święta Lipka entstand als Wallfahrtsort im Mittelalter, vermutlich im 14. Jahrhundert. Der Legende nach wurde an einer Linde (polnisch „lipka“) ein Marienbild angebracht, das als wundertätig galt und Pilger anzog. Die Anlage mit ihren umlaufenden Arkadengängen und dem harmonisch gestalteten Klosterkomplex vermittelt ein außergewöhnlich geschlossenes barockes Ensemble und beeindruckt bereits beim Betreten durch ihre Größe und Ausstrahlung.

Besonders die prachtvolle Innenausstattung, die kunstvollen Verzierungen, die reich geschmückten Altäre sowie die berühmte Orgel mit ihren beweglichen Figuren hinterließen einen bleibenden Eindruck. Da wir die Situation kennen, versuchen wir stets, zu den ersten Besuchern in Święta Lipka zu gehören. Das sichert uns die besten Plätze mit einem schönen Blick auf den Altar und das beeindruckende Kircheninnere, vor allem aber auf die berühmte Orgel, deren bewegliche Figuren bei den Vorführungen immer wieder die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen.

Höhepunkt des Besuchs war das Orgelkonzert, bei dem die außergewöhnliche Klangfülle des Instruments eindrucksvoll zur Geltung kam. Während des Spiels setzen sich die kunstvoll gestalteten Figuren in Bewegung und machen das Erlebnis nicht nur akustisch, sondern auch visuell zu etwas ganz Besonderem. Die Musik erfüllt das gesamte Kircheninnere, lässt den Blick unwillkürlich nach oben wandern und sorgt für einen bewegenden Moment der Besinnung und Stille, der bei vielen noch lange nachwirkte.

Anschließend führte die Reise weiter nach Reszel, dass vielen noch unter seinem deutschen Namen Rössel bekannt ist. Bei einem Rundgang durch die malerische Kleinstadt konnten die Teilnehmer die gut erhaltene historische Bausubstanz bewundern. Die engen Gassen, die alten Bürgerhäuser und die imposante Burg zeugen noch heute von der langen und wechselvollen Geschichte der Region.

Besonders sehenswert ist das Rathaus im Zentrum der Stadt, das mit seiner schlichten, aber markanten Architektur den historischen Charakter des Marktplatzes prägt. Gemeinsam mit den umliegenden Gebäuden bildet es das Herz der Altstadt und vermittelt einen authentischen Eindruck vom früheren Stadtleben.

Einen weiteren Höhepunkt bildet die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die Kirche beeindruckt durch ihre Backsteinarchitektur und ihre eindrucksvolle Innenausstattung, die von der langen kirchlichen Tradition der Region zeugt. Im Inneren herrscht eine ruhige, besinnliche Atmosphäre, die zum Innehalten einlädt und einen wohltuenden Kontrast zu den lebhaften Eindrücken des Stadtrundgangs bildet.

Leider macht die Stadt auf mich in den letzten Jahren einen zunehmend traurigeren Eindruck. Viele der traditionellen Lokale, in denen man früher noch die deftige polnische Küche genießen konnte, sind verschwunden. Stattdessen prägen heute vor allem Pizzerien, Cafés und andere touristisch ausgerichtete Angebote das Stadtbild. Dadurch geht für mich ein Stück des ursprünglichen Charmes und der regionalen Identität verloren. In den wenigen Straßen der Altstadt waren an diesem Tag fast nur unsere Reiseteilnehmer unterwegs. Viele saßen in den Cafés, genossen die Sonne oder schleckten ein Eis.

Auch im Innenhof der alten Burg, einer ehemaligen Ordensburg des Deutschen Ordens, wurden die einst so urigen Holzbänke inzwischen durch Plastikstühle ersetzt. Solche Veränderungen mögen praktisch sein, nehmen dem Ort aber ein Stück seines ursprünglichen Charakters.

Ich überredete fünf Mitreisende, mit mir auf die Burg zu kommen, um ein Süppchen zu essen. Als wir nachfragten, ab wann es Mittagessen gäbe, erhielten wir die Auskunft: „Ab 12:00 Uhr.“ Also vertrieben wir uns die Zeit zunächst mit einem kühlen Getränk und netten Gesprächen.

Als wir dann pünktlich zur angegebenen Zeit unsere Bestellung aufgeben wollten, folgte die überraschende Wendung. „Ach nein“, hieß es plötzlich, „heute haben wir ja eine Hochzeit und somit eine geschlossene Gesellschaft. Das habe ich ganz vergessen. Heute gibt es leider kein Mittagessen.“

So standen wir etwas ratlos da und mussten unsere Mittagspläne kurzerhand ändern. Notgedrungen verschlug es mich schließlich doch in eine Pizzeria. Damit war zwar der Hunger gestillt, doch nach einer traditionellen masurischen Mahlzeit hatte ich an diesem Tag vergeblich gesucht.

Auf der Rückfahrt zum Hotel wurde ein Zwischenstopp in Warpuny (Warpuhnen) an der ev. Kirche eingelegt, wo einige Mitreisende ausstiegen. Dort trafen wir bereits auf weitere freiwillige Helfer, die gemeinsam mit uns die Kirche für die bevorstehende Feierlichkeit vorbereiteten. In ruhiger und konzentrierter Atmosphäre wurden letzte Handgriffe erledigt: Die Kirche wurde von Staub befreit, Blumen liebevoll arrangiert, Kerzen entzündet und Liederzettel ausgelegt. Mit viel Engagement und Sorgfalt trugen alle dazu bei, dass die Veranstaltung in einem würdevollen und festlichen Rahmen stattfinden konnte.

 

Um 15:00 Uhr versammelten sich die Reiseteilnehmer, die mit dem Bus vom Hotel abgeholt wurden, geladene Gäste und ca. 80 weitere Besucher in der evangelischen Kirche von Warpuny zu einem besonderen Anlass. Im Mittelpunkt stand das Gedenken an Pastor Fryderyk Tegler, der im Juli 2024 verstorben war und dessen Wirken weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus geschätzt wurde. Die Gemeinde Sorkwity hatte beschlossen, ihm posthum die Ehrenbürgerschaft zu verleihen und damit seine langjährigen Verdienste um Kirche, Gemeinschaft und den deutsch-polnischen Dialog zu würdigen.

Zu Beginn der Veranstaltung läutete Matthias feierlich die Kirchenglocke, an der ein neues, kräftiges Seil angebracht war, und gab damit den stimmungsvollen Auftakt für die Gedenkfeier.

Im Rahmen der Feierstunde berichteten Julian Osiecki sowie Romy Tegler-Meister, die Tochter des Verstorbenen, über die Hintergründe der Auszeichnung und die Bedeutung dieser besonderen Ehrung. Bei der Präsentation der Ehrenbürgerurkunde wurde deutlich, wie sehr Pastor Tegler das Leben vieler Menschen geprägt hatte. Seine Arbeit, sein Engagement und seine menschliche Zugewandtheit wurden von den Anwesenden mit großer Wertschätzung gewürdigt.

Ein weiterer Höhepunkt des Nachmittags war das Orgelkonzert, das von unserer Mitreisenden Dr. Susanne Borrek gestaltet wurde. Mit ihrem einfühlsamen und virtuosen Spiel verlieh sie der Veranstaltung einen festlichen und zugleich würdevollen Charakter. Die ausgewählten Werke schufen eine besondere Atmosphäre und boten Raum für Erinnerung, Dankbarkeit und Besinnung. Mit den Liedern „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ und „Großer Gott, wir loben dich“ wurde auch die Gemeinde zum Mitsingen eingeladen.

Gemeinsam mit der Organistin spielte ich auf der Trompete „Czarna Madonna“, ein Lied, das sowohl Pastor Tegler als auch vielen Menschen aus der überwiegend polnischen Bevölkerung besonders am Herzen liegt.

Nach dem Konzert waren alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. In angenehmer und herzlicher Atmosphäre wurden Gespräche geführt, Erinnerungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Chor der Deutschen Minderheit aus Giżycko (Lötzen), dessen Darbietungen großen Anklang fanden. Die Sängerinnen und Sänger begeisterten mit ihrem abwechslungsreichen Repertoire und trugen wesentlich zum Gelingen dieses festlichen Nachmittags bei. Bei einem oder zwei Gläschen Sekt wurde die Stimmung bei allen zunehmend gelöster und fröhlicher. 

Den Abschluss des Tages bildete ein geselliger Abend im Hotel. Bei einem festlichen, mehrgängigen Essen kamen noch einmal alle Teilnehmer und geladene Freunde zusammen. In fröhlicher Runde wurde auf die Erlebnisse der vergangenen Tage zurückgeblickt. Es wurde gemeinsam gesungen, gefeiert und natürlich auch getanzt.

Die „Drei-Personen-Kapelle“ sorgte für beste Stimmung, und so hielt es viele nicht lange auf ihren Stühlen. Mit viel Freude und manchmal auch einer Portion Temperament wurde ausgelassen das Tanzbein geschwungen – sehr zur Belustigung derjenigen, die lieber sitzen blieben und das bunte Treiben von ihren Plätzen aus beobachteten. Immer wieder sorgten einzelne Tanzeinlagen für Heiterkeit und Applaus.

Viele nutzten die Gelegenheit, alte Freundschaften zu pflegen und neue Bekanntschaften zu vertiefen. So klang ein ereignisreicher und zugleich bewegender Tag in herzlicher Gemeinschaft aus, der den Teilnehmern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Reisebericht von Kaunas nach Masuren (29.05.2026) Teil V

 

Tag 5 (29.05.2026)

 

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Kaunas, checkten aus dem Hotel Ibis aus und setzten unsere Reise in Richtung Polen fort. Die Fahrt führte zunächst durch die abwechslungsreiche Landschaft Litauens, die von sanften Hügeln, ausgedehnten Wäldern, zahlreichen Seen und weiten Feldern geprägt ist. Rechts und links der Straße blühten leuchtend gelbe Rapsfelder und verliehen der Landschaft zusätzliche Farbtupfer. Immer wieder boten sich schöne Ausblicke auf kleine Dörfer, Flussläufe und die typisch baltische Kulturlandschaft. Während der Busfahrt konnten wir die vergangenen Tage Revue passieren lassen und zugleich die Veränderungen der Landschaft beobachten, die uns auf dem Weg nach Masuren begleiteten.

Unterwegs überquerten wir die Grenze nach Polen und erreichten schließlich die berühmte Region Masuren. Mit dem Grenzübertritt kehrten wir auch wieder zur mitteleuropäischen Zeit zurück und stellten unsere Uhren um eine Stunde zurück. Die Region Masuren wird oft als „Land der tausend Seen“ bezeichnet und zählt zu den schönsten Naturlandschaften Polens. Zahlreiche Seen, Flüsse, Wälder und sanfte Hügel prägen das Bild dieser traditionsreichen Gegend.

Zur Mittagszeit erwartete uns ein liebevoll vorbereiteter Mittagsimbiss – Uwes sogenanntes 3-Gänge-Menü: „Würstchen, Brot und Gurke“ –, das unterwegs für eine angenehme Stärkung sorgte. Diese kleine Pause bot Gelegenheit zu Gesprächen und machte die Weiterreise besonders angenehm. Für die passende Begleitung sorgte die Reiseleitung mit einem Glas Sekt, das zusätzlich zur guten Stimmung beitrug. 

Je näher wir unserem Ziel kamen, desto deutlicher zeigte sich die Schönheit der Masurischen Seenplatte. Glitzernde Wasserflächen wechselten sich mit dichten Wäldern und grünen Wiesen ab. Die friedliche Landschaft strahlte eine besondere Ruhe aus und vermittelte bereits einen ersten Eindruck von der Erholung, die uns in den kommenden Tagen erwarten sollte.

Am Nachmittag erreichten wir schließlich Mrągowo, das frühere Sensburg. Die Stadt gilt als eines der bekanntesten Ferienzentren Masurens und liegt malerisch zwischen mehreren Seen. Besonders beeindruckend ist ihre Lage direkt am Czos-See, dessen Ufer das Stadtbild prägen. Da Mrągowo die Zerstörungen der beiden Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden hat, sind zahlreiche historische Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten geblieben. Diese verleihen der Stadt bis heute ihren besonderen ostpreußischen Charakter.

Bereits beim Betreten des Hotels Panoramic-Oscar wurden wir herzlich empfangen. Der Kellner Jarek begrüßte unsere Reisegruppe mit einem landestypischen Wodka zur Einstimmung auf den Aufenthalt in Polen. Diese freundliche Geste sorgte für viel Heiterkeit und ließ viele das Gefühl haben, willkommen zu sein – für 25 Mitreisende wieder nach Hause zu kommen.

Nach der Ankunft bezogen wir unsere Zimmer im Hotel, das direkt oberhalb des Czos-Sees gelegen ist. Von vielen Bereichen des Hotels eröffnet sich ein herrlicher Blick auf das Wasser. Für die nächsten drei Nächte sollte dieses Hotel unser Zuhause in Masuren sein.

Am späten Nachmittag bestand die Möglichkeit, an einer kleinen Schifffahrt auf dem Czos-See teilzunehmen. Allerdings begann dieser Ausflug mit einer unerwarteten Herausforderung: Die kleine Fähre, die uns normalerweise zum Anleger auf die gegenüberliegende Seite des Sees bringen sollte, nimmt ihren Betrieb erst am 01.06.2026 auf und wir waren 29.05.2026 da. So standen wir plötzlich vor der Frage, wie wir rechtzeitig zum Schiff gelangen sollten. Während unser Ausflugsschiff „Feniks“, das extra nur für unsere Gruppe gechartert war, nach einem kurzen Anruf auf uns wartete, machten sich die mobileren Teilnehmer kurzerhand zu Fuß auf den Weg entlang des Seeufers zum Anleger. Für diejenigen, denen der Fußweg zu beschwerlich gewesen wäre, organisierte ich spontan mehrere Taxis, sodass schließlich alle Teilnehmer, die geduldig das weitere Geschehen abgewartet hatten, bequem und sicher zum Schiff gelangen konnten. Mit etwas Verspätung, aber guter Laune und einer Portion Abenteuergeist konnten wir schließlich an Bord gehen. Die kleine Aufregung sorgte bereits vor dem Ablegen für Gesprächsstoff und zeigte einmal mehr, dass auf Reisen nicht immer alles nach Plan verläuft.

Anschließend glitten wir mit dem Ausflugsschiff „Feniks“ über das ruhige Wasser des Czos-Sees und konnten die Umgebung aus einer ganz neuen Perspektive erleben. Die bewaldeten Ufer, die kleinen Buchten und die idyllische Atmosphäre vermittelten einen Eindruck von der besonderen Schönheit der masurischen Seenlandschaft. Die entspannte Fahrt bot zahlreiche Gelegenheiten zum Fotografieren und Genießen. Rückblickend blieb vor allem die Erinnerung daran, wie flexibel und unkompliziert „fast“ die ganze Gruppe die unerwartete Situation meisterte – und wie aus einem kleinen Problem eine nette Anekdote für die weitere Reise wurde.

Wer die Zeit lieber individuell verbringen wollte, konnte die Annehmlichkeiten des Hotels nutzen oder bei einem Spaziergang entlang des Seeufers die Ruhe der Natur genießen. Der Blick auf das Wasser und die friedliche Umgebung luden zum Verweilen und Entspannen ein.

Am Abend traf sich die Reisegruppe zum gemeinsamen Abendessen. In geselliger Runde ließen wir die Erlebnisse des Tages Revue passieren und tauschten unsere Eindrücke von Litauen, der Grenzüberquerung und den ersten Begegnungen mit der masurischen Landschaft aus.

So endete ein Tag des Übergangs – von den baltischen Küsten und Städten Litauens in die stille Seenwelt Masurens. Die herrliche Natur, die gastfreundliche Atmosphäre und die reizvolle Lage unseres Hotels machten Lust auf die kommenden Entdeckungstouren in einer der schönsten Regionen Polens.

Reisebericht Von der Kurischen Nehrung nach Kaunas Teil IV

 

Tag 4 (28.05.2026)

 

Nach dem Auschecken aus den verschiedenfarbigen Häusern des Hotels Nidos Banga und dem Verstauen der Koffer im Bus ging es zunächst auf Umwegen zum Frühstück ins Sakutis. Da viele Straßen für Busse gesperrt waren, musste unser Busfahrer Uwe eine alternative Route wählen. Trotz des kleinen Umwegs erreichten wir schließlich das Restaurant, wo wir in aller Ruhe frühstücken konnten. Danach hieß es Abschied nehmen von Nida und der einzigartigen Landschaft der Kurischen Nehrung und wir machten uns auf den Weg zu einem der bekanntesten Naturdenkmäler Litauens – der Parnidis-Düne.

Die mächtige Wanderdüne erhebt sich am südlichen Rand von Nida und zählt zu den eindrucksvollsten Aussichtspunkten der gesamten Kurischen Nehrung. Während unseres Aufenthalts bot sich ein faszinierender Blick über das Kurische Haff, die Ostsee und die weitläufigen Sandlandschaften. Die ständig vom Wind geformten Dünen vermitteln eine fast unwirkliche Atmosphäre und erinnern stellenweise eher an eine Wüstenlandschaft als an die Küste Nordeuropas. Besonders beeindruckend war die Weite der Landschaft, die sich bis zum Horizont erstreckte.

Auf der Düne befindet sich außerdem eine große Sonnen- und Sternenuhr, die zu den bekanntesten Wahrzeichen der Region zählt und ein beliebtes Fotomotiv ist. Bereits am Vortag hatten wir die imposante Düne vom Wasser aus gesehen, als unser Schiff an ihr vorbeifuhr. Nun bot sich uns die Gelegenheit, dieses beeindruckende Naturdenkmal aus nächster Nähe zu erleben und bei strahlendem Sonnenschein sowie tiefblauem Himmel den herrlichen Ausblick über die weitläufige Dünenlandschaft zu genießen. Nach diesem letzten Höhepunkt auf der Kurischen Nehrung verließen wir die Halbinsel und setzten mit der Fähre zurück nach Klaipėda (Memel) über. Während der kurzen Überfahrt konnten wir noch einmal die charakteristische Küstenlandschaft mit ihren Dünen, Wäldern und dem ruhigen Wasser des Haffs genießen.

Wilhelm von Humboldt schrieb bereits im Jahre 1809: „Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig , dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen sollte.“

In Klaipėda angekommen, legten wir einen kurzen Zwischenstopp in der historischen Altstadt ein. Ziel war der Simon-Dach-Brunnen mit dem berühmten Denkmal „Ännchen von Tharau“. Die anmutige Bronzefigur erinnert an eines der bekanntesten Liebeslieder des deutschen Sprachraums und gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Das Denkmal symbolisiert die enge kulturelle Verbindung der Region zu ihrer deutsch-litauischen Geschichte.

Der Dichter Simon Dach zählte im 17. Jahrhundert zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Barockdichtung. Sein Gedicht „Ännchen von Tharau“ wurde weit über Ostpreußen hinaus bekannt und gehört bis heute zu den bekanntesten Liebesliedern der deutschen Literatur.

Rund um den Brunnen bot sich außerdem die Gelegenheit, die reizvolle Altstadt von Klaipėda mit ihren historischen Gebäuden und kleinen Plätzen kurz kennenzulernen. Eine Stadtführung war in Klaipėda jedoch von vornherein nicht vorgesehen, da wir rechtzeitig in Kaunas ankommen wollten.

Anschließend setzten wir unsere Reise ins Landesinnere fort. Die Fahrt führte durch die abwechslungsreiche Landschaft Litauens nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt des Landes. Am Zusammenfluss von Memel und Neris gelegen, blickt Kaunas auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Die Stadt war zeitweise Hauptstadt Litauens und entwickelte sich zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum.

In Kaunas gerieten wir zunächst im strömenden Regen in den Feierabendverkehr und mussten anschließend mit dem großen Bus einen geeigneten Parkplatz in der Nähe unseres Hotels finden. Aus Zeitgründen blieben wir daher zunächst im Bus, während unsere Stadtführerin Vitalija zu uns zustieg und uns bereits erste Informationen über die Stadt vermittelte.

Von dort fuhren wir direkt zur Stadtbesichtigung. Bevor der Rundgang begann, nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit zu einem Besuch der städtischen öffentlichen Örtlichkeiten, die durch ihre außergewöhnliche Sauberkeit einen bemerkenswert positiven Eindruck hinterließ.

Danach hörte auch der Regen auf und die Schirme konnten wieder zugeklappt werden. Es schien sogar teilweise auch die Sonne durch die Wolken.

Anschließend starteten wir zu unserem geführten Rundgang durch die historische Innenstadt von Kaunas, der uns vorbei an gut erhaltenen Gebäuden aus verschiedenen Epochen, durch enge Gassen und zu zahlreichen Kirchen führte, die das besondere Stadtbild prägen. Besonders ins Auge fiel das alte Rathaus, das aufgrund seiner eleganten weißen Fassade auch als „Weißer Schwan“ bezeichnet wird. Entlang der Straßen und Plätze spürten wir die lebendige Atmosphäre der Stadt, die Tradition und modernes Leben auf harmonische Weise miteinander verbindet – mit gemütlichen Restaurants, kleinen Cafés und einladenden Bars. Besonders bei schönem Wetter kann man sich gut vorstellen, wie sich hier zahlreiche Menschen treffen, durch die Gassen flanieren und das vielfältige gastronomische Angebot genießen.

Während unseres Spaziergangs erhielten wir von unserer Stadtführerin Vitalija interessante Einblicke in die Geschichte von Kaunas, die von mittelalterlichen Handelswegen, wechselnden Herrschaften und dem langen Streben nach litauischer Unabhängigkeit geprägt ist. Mit ihrer lebhaften, kompetenten und anschaulichen Art verstand sie es, historische Ereignisse spannend und verständlich zu vermitteln.

Der Höhepunkt unseres Rundgangs war schließlich der Besuch der beeindruckenden Kathedrale St. Peter und Paul. Die größte gotische Kirche Litauens empfing uns mit ihrer eindrucksvollen Weite und der besonderen Atmosphäre eines jahrhundertealten Gotteshauses. Schon beim Betreten beeindruckten uns die hohen Gewölbe, die kunstvollen Altäre und die prachtvolle Gestaltung des Innenraums. Die harmonische Kombination aus Weiß-, Rosa- und Goldtönen sowie das durch die hohen Fenster einfallende Licht verliehen dem Kirchenraum eine beinahe majestätische und zugleich warme Ausstrahlung. Wir hielten einen Moment inne und ließen die besondere Atmosphäre sowie die beeindruckende Schönheit dieses sakralen Bauwerks auf uns wirken.

Am Abend traf sich die Reisegruppe zum gemeinsamen Abendessen im Hotel. Zur großen Enttäuschung gab es jedoch kein Bier vom Fass, sondern lediglich Bier aus Dosen, die in einem vor der Bar stehenden Kühlschrank der Brauerei Engelman angeboten wurden. Trotz dieser kleinen Enttäuschung schmeckte das Bier überraschend gut und sorgte für einen gelungenen Ausklang des Tages. Zu guter Letzt gingen auch noch die Gläser aus. Nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – oder „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ – war ich froh, noch ein Glas bekommen zu haben. In angenehmer Atmosphäre und bei sehr leckerem Essen ließen wir die vielfältigen Eindrücke des Tages Revue passieren.

Der Wechsel von den stillen Dünenlandschaften der Kurischen Nehrung in die lebendige Kulturstadt Kaunas machte diesen Tag besonders abwechslungsreich und vermittelte einen eindrucksvollen Einblick in die Vielfalt Litauens.

Reisebericht in Nida auf der Kurischen Nehrung Teil III

 

Tag 3 (27.05.2026)

 

Zum Frühstück mussten wir ca. 800 Meter am Haff entlanglaufen. Diejenigen, die nicht so gut zu Fuß waren, fuhren mit den bestellten Taxis. Die Sonne schien, der Flieder blühte, die Luft war mit 10 Grad kühl, aber angenehm. Im Restaurant Sakutis, direkt am Hafen gelegen, erwartete uns ein leckeres, abwechslungsreiches Frühstück in angenehmer Atmosphäre.

So begann unser erster voller Tag in Nida. Frisch gestärkt machten wir uns dann auf den Weg, um den bekanntesten Ort der Kurischen Nehrung näher kennenzulernen. Begleitet wurden wir dabei von unserer örtlichen Reiseleiterin Sofija, die uns mit viel Wissen und Begeisterung die Geschichte, Kultur und Besonderheiten dieser einzigartigen Region näherbrachte. Da wir uns bereits von vorherigen Aufenthalten kannten, freuten Sofija und ich uns sehr herzlich über unser Wiedersehen.

Während eines gemütlichen Rundgangs durch Nida erkundeten wir die malerische Altstadt mit ihren liebevoll gepflegten Fischerhäusern und den Kurenwimpeln. Kurenwimpel sind kunstvoll gestaltete, bunt bemalte Holzfahnen, die ursprünglich als Erkennungszeichen auf den traditionellen Fischerbooten (Kurenkahn) auf dem Kurischen Haff (Ostpreußen/ Litauen) dienten. Sie gaben Auskunft über den Heimathafen und den Besitzer.

Die traditionellen Holzbauten mit ihren bunten Fensterläden und kunstvollen Verzierungen verleihen dem Ort seinen unverwechselbaren Charme und erinnern an die lange Geschichte der ehemaligen Fischersiedlung. Immer wieder boten sich schöne Ausblicke auf das Kurische Haff, dessen ruhige Wasserfläche das Leben der Bewohner seit Jahrhunderten prägt.

Ein weiterer Höhepunkt unseres Rundgangs war der Hafen von Nida. Hier im Hafen liegt auch der Kurenkahn von Sofija und Aurelius. Leider konnten wir nicht mit dem Kahn segeln, da er noch nicht seetüchtig war. Auf dem neu genähten Segel fehlte noch die Stickerei – schade. Neben traditionellen Fischerbooten liegen auch hochmoderne Segelboote und vermitteln einen Eindruck vom maritimen Charakter des Ortes. Entlang der Promenade herrschte eine entspannte Atmosphäre, die zum Verweilen und Genießen einlud. Leider – das ist nur meine persönliche Meinung – wird am Hafen ein ziemlich großes Hotel- bzw. Wohnhaus gebaut, vermutlich für wohlhabende Litauer. Es zerstört aus meiner Sicht das Flair des Hafens und des gesamten Ortes.

Die Kirche von Nida zählt zu den bedeutenden Wahrzeichen des Ortes. Ihre schlichte Architektur fügt sich harmonisch in die Landschaft der Kurischen Nehrung ein und erzählt von der religiösen Tradition der Region. Nicht weit entfernt befindet sich der historische Friedhof von Nida, auf dem zahlreiche kunstvoll gestaltete Grabmale von der bewegten Geschichte der ehemaligen Bewohner zeugen.

Ein kultureller Höhepunkt war der Besuch des Thomas-Mann-Hauses. Das ehemalige Sommerhaus des berühmten deutschen Schriftstellers liegt auf einer Anhöhe mit herrlichem Blick über das Kurische Haff und die umliegende Dünenlandschaft. Zwischen den sanften Hügeln und der stillen Weite der Natur fand Thomas Mann einst die Inspiration für sein literarisches Schaffen.

Heute vermittelt das Haus einen lebendigen Eindruck vom Leben und Wirken des Nobelpreisträgers. Originalgetreu eingerichtete Räume, persönliche Gegenstände und informative Ausstellungen lassen die Zeit wiederaufleben, in der Thomas Mann hier seine Sommer verbrachte. Die besondere Verbindung von Literatur, Geschichte und Natur macht diesen Ort zu einem der bedeutendsten kulturellen Ziele der Kurischen Nehrung. Von der Terrasse aus bot sich zudem ein wunderschöner Blick über die Landschaft, die den Schriftsteller einst so sehr begeisterte. Zu Hause werden sich einige unserer Mitreisenden bestimmt mit Literatur von Thomas Mann versorgt haben. 

Nach dem gemeinsamen Rundgang stand der Nachmittag zur freien Verfügung. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Nida auf eigene Faust weiter zu erkunden. Einige schlenderten durch die kleinen Straßen des Ortes, besuchten Geschäfte und Cafés, aßen zu Mittag oder genossen im herrlichen Sonnenschein die entspannte Atmosphäre am Hafen.

Besonders interessant fanden auch einige Mitreisende den Besuch des Bernsteinmuseums. Hier erfuhren sie Wissenswertes über die Entstehung, Gewinnung und Verarbeitung des „Goldes der Ostsee“. Die ausgestellten Bernsteinstücke beeindruckten durch ihre Farbenvielfalt und zum Teil Jahrmillionen alten Einschlüsse, die faszinierende Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen. Andere entschieden sich für Wanderungen durch den Nationalpark Kurische Nehrung und entdeckten die einzigartige Dünen- und Waldlandschaft.

Am späten Nachmittag unternahmen wir eine gemeinsame Schifffahrt mit der Austėja auf dem Kurischen Haff zur berühmten Hohen Düne bei Nida. Bereits die Fahrt über das ruhige Wasser bot herrliche Ausblicke auf die einzigartige Landschaft der Kurischen Nehrung. Vom Schiff aus konnten wir die Küstenlinie mit ihren ausgedehnten Kiefernwäldern, den traditionellen Fischerhäusern und den weitläufigen Sandflächen besonders gut erkennen.

Die Hohe Düne zählt zu den eindrucksvollsten Naturdenkmälern der Region. Ihre mächtigen Sandformationen wurden über Jahrhunderte vom Wind geformt und prägen bis heute das Landschaftsbild der Nehrung. Während der Fahrt erfuhren wir Wissenswertes über die Entstehung dieser außergewöhnlichen Dünenlandschaft und ihre Bedeutung für die Geschichte der Region. Besonders beeindruckend war der Blick auf die scheinbar endlosen Sandflächen, die in ihrem Erscheinungsbild an eine kleine Wüste erinnern.

Die Schifffahrt bot zahlreiche Möglichkeiten zum Fotografieren und Genießen der einzigartigen Natur. Das Zusammenspiel von Wasser, Dünen und Himmel schuf eine ganz besondere Atmosphäre und vermittelte einen eindrucksvollen Eindruck vom UNESCO-Welterbe Kurische Nehrung.

Nach der Rückkehr in den Hafen von Nida ging es erneut zum gemeinsamen Abendessen in das Restaurant Sakutis. In geselliger Runde ließen wir die vielfältigen Eindrücke des Tages Revue passieren und tauschten unsere Erlebnisse aus.

So endete ein abwechslungsreicher Tag voller kultureller Entdeckungen, beeindruckender Naturerlebnisse und interessanter Einblicke in die Geschichte Nidas. Die einzigartige Mischung aus Landschaft, Tradition und Literatur machte diesen Aufenthalt zu einem besonderen Höhepunkt unserer Reise durch Litauen.

Reisebericht – Über die Ostsee nach Nida auf die Kurische Nehrung

Teil II

 

Tag 2 (26.05.20026)

 

Nach einer ruhigen Nacht an Bord ohne schaukeln, begann der neue Tag mit einem gemütlichen Frühstück. Während die Fähre ihren Kurs über die Ostsee fortsetzte, konnten wir den Tag ganz nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten. Die Überfahrt bot eine willkommene Gelegenheit, das Tempo des Alltags hinter sich zu lassen und die besondere Atmosphäre auf See zu genießen.

Viele Reiseteilnehmer nutzten die Zeit für einen Spaziergang in der Sonne über die Außendecks. Von dort bot sich ein weiter Blick über das Meer, dessen wechselnde Farben und Lichtstimmungen immer wieder beeindruckten. Andere machten es sich in den Aufenthaltsbereichen bequem, lasen ein Buch, führten interessante Gespräche oder beobachteten das Leben an Bord. Die Kabinen standen uns bis kurz vor der Ankunft zur Verfügung, sodass ausreichend Zeit zum Ausruhen und Entspannen blieb.

Zur Mittagszeit trafen wir uns erneut zu einer gemeinsamen Mahlzeit. Während das Schiff seinem Ziel immer näherkam, stieg die Vorfreude auf die ersten Eindrücke Litauens. Nach vielen Stunden auf ruhiger See zeichnete sich schließlich die Küste des Baltikums am Horizont ab.

Mit der Ankunft in Klaipėda, dem früheren Memel, erreichten wir den ersten litauischen Hafen unserer Reise. Nachdem die Fähre angelegt hatte und alle Formalitäten erledigt waren, setzten wir unsere Fahrt im Reisebus fort. 

Zunächst brachte uns eine kurze Überfahrt mit der Autofähre auf die Kurische Nehrung, einen der außergewöhnlichsten Landschaftsräume Europas.

Schon kurz nach dem Verlassen der Fähre zeigte sich die besondere Schönheit dieser schmalen Landzunge, die sich zwischen der Ostsee und dem Kurischen Haff erstreckt. Die Straße führte durch ausgedehnte Kiefernwälder, vorbei an kleinen Ortschaften und immer wieder durch beeindruckende Dünenlandschaften. Die Kurische Nehrung gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und gilt als eine der schönsten Naturlandschaften des Baltikums.

Besonders faszinierend ist das Zusammenspiel von Wasser, Wald und Sand. Auf der einen Seite begleitet die Ostsee den Weg, auf der anderen Seite erstreckt sich das ruhige Kurische Haff. Die mächtigen Wanderdünen, die zum Teil Höhen von mehreren Dutzend Metern erreichen, erinnern eher an eine Wüstenlandschaft als an die Küste Nordeuropas. Seit Jahrhunderten prägen Wind und Wetter diese einzigartige Region.

Während der Fahrt erhielten wir erste Eindrücke von der Geschichte und Kultur der Nehrung. Einst lebten hier vor allem Fischerfamilien, deren Traditionen und typische Holzhäuser noch heute das Bild vieler Orte prägen. Die Region zog im Laufe der Zeit zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Naturliebhaber an, die von der besonderen Landschaft inspiriert wurden.

Unser Tagesziel war Nida, das frühere Nidden, der bekannteste und wohl schönste Ort der Kurischen Nehrung, den wir nach einer Fahrtzeit von einer Stunde endlich erreichten. Der malerische Ferienort liegt direkt am Kurischen Haff und begeistert mit seiner entspannten Atmosphäre, gepflegten Promenaden und den charakteristischen Fischerhäusern mit ihren farbenfrohen Verzierungen.

Nach der Ankunft bezogen wir unsere Zimmer im Hotel Nidos Banga. Das Hotel bietet mehrere Häuser in verschiedenen Farben in unmittelbarer Nähe und ermöglichte somit der gesamten Reisegruppe eine komfortable gemeinsame Unterbringung. Alle Wohnungen und Zimmer waren auf höchstem Standard neu renoviert und rochen noch neu, sodass man das Gefühl hatte, die ersten zu sein, die dort eingezogen sind.

Die farblich unterschiedlichen Häuser führten zunächst zu einer gewissen Verwirrung, da die Orientierung nicht auf Anhieb für alle sofort eindeutig war und sehr zur Belustigung beitrug. „Wohnst du auch im gelben? Nein, ich wohne im roten. Und du?“ – „Ich im schwarzen.“

Da im Hotel keine Mahlzeiten angeboten werden, stand der Abend zur freien Verfügung. Einige Reiseteilnehmer hatten sich bereits auf der Fähre mit kleinen Snacks versorgt, während andere die Gelegenheit nutzten, Nida auf eigene Faust zu erkunden. In den gemütlichen Restaurants und Cafés des Ortes konnten regionale Spezialitäten probiert und die ersten Eindrücke Litauens in entspannter Atmosphäre vertieft werden.

So endete ein abwechslungsreicher Reisetag, der uns von der Weite der Ostsee in eine der eindrucksvollsten Landschaften Europas geführt hatte. Die Kurische Nehrung empfing uns mit ihrer einzigartigen Natur, ihrer Ruhe und ihrem besonderen Charme – ein gelungener Auftakt für die kommenden Erlebnisse in Litauen.

Von Scharnebeck über Kiel nach Klaipėda Teil I

 

Tag 1 (25.05.2026)

 

Unsere Reise begann am großen Parkplatz am Schiffshebewerk in Scharnebeck. Dort erwartete uns bereits ein letztes Mal der komfortable Luxusreisebus der Firma Anker-Reisen aus Lüneburg. Die Firma hat ihre Tore zum 31.03.2026 für immer geschlossen, uns aber noch einen Bus und den Busfahrer Uwe zur Verfügung gestellt.

Nach der herzlichen Begrüßung aller Mitreisenden – 25 davon waren bereits zum zweiten Mal oder auch mehrfach mit dabei – und dem Verstauen des Gepäcks nahmen wir unsere Plätze ein und machten uns auf den Weg nach Kiel.

Die Fahrt führte durch die reizvolle norddeutsche Landschaft und bot Gelegenheit, sich auf die bevorstehenden Tage einzustimmen und erste Gespräche mit den Mitreisenden zu führen.

In Kiel angekommen, erreichten wir den Ostuferhafen, von dem unsere Fähre nach Litauen ablegen sollte. Nach den notwendigen Formalitäten beim Einchecken fuhr unser Bus direkt vor die Fähre und wir nahmen nur die Dinge mit, die wir für die Zeit auf See benötigten. Mit einer kleinen Tasche ausgestattet versuchten wir unsere Kabinen zu finden, was nicht immer gleich auf Anhieb gelang. Überall irrten unsere Mitreisenden umher und suchten nach ihren Unterkünften – man hätte fast meinen können, das Schiff sei ein kleines Labyrinth.

Schließlich fanden wir dann doch alle unsere Kabinen und bezogen sie erleichtert.

Danach wurde das Schiff neugierig erkundet. Schon beim Betreten der Fähre war die besondere Atmosphäre einer Seereise spürbar. Auf den Außendecks bot sich ein weiter Blick über den Hafen und die Förde. Langsam löste sich die Fähre vom Kai und nahm Kurs auf die Ostsee. Während die Küste Schleswig-Holsteins allmählich am Horizont verschwand, begann für uns der maritime Teil der Reise.

Mit dem Auslaufen des Schiffes wechselten wir gedanklich bereits nach Litauen. An Bord galt die litauische Ortszeit, sodass wir unsere Uhren eine Stunde vorstellen konnten. Diese Umstellung erleichterte die Orientierung und half dabei, sich bereits während der Überfahrt auf die Zeitverhältnisse im Zielgebiet einzustellen.

Am Abend traf sich unsere Reisegruppe zu einem gemeinsamen Abendessen im Bordrestaurant. Das reichhaltige Buffet bot eine große Auswahl an Speisen, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war. Bei guten Gesprächen wurden die Erwartungen an die kommenden Tage ausgetauscht und erste Reisepläne geschmiedet.

Nach dem Essen blieb noch Zeit, die Einrichtungen des Schiffes zu nutzen oder einen Spaziergang über die Decks zu unternehmen. Die frische Seeluft, das sanfte Rauschen der Ostsee und die besondere Stimmung einer nächtlichen Fährüberfahrt sorgten für einen gelungenen Auftakt unserer Reise. Den ersten Reisetag ließen viele Mitreisende in angenehmer Gesellschaft bei Bier, Wein, Wasser und Wodka sowie bei einem netten Kennenlernen oder Wiedersehen ausklingen. Schließlich zog sich jeder in seine Kabine zurück, um sich auszuruhen und Kraft für die bevorstehende Ankunft in Klaipėda, dem ehemaligen Memel, zu sammeln.

So endete der erste Reisetag – mit vielen neuen Eindrücken, guter Stimmung und der Vorfreude auf die Erlebnisse, die uns in Litauen erwarten würden.

Die Bilder sind mir von den Mitreisenden zur freien Verfügung gestellt worden.

Hinweis

 

Da das Kontingent für Texte und Bilder auf dieser Seite inzwischen ausgeschöpft ist, sind alle "alten" Reiseberichte künftig im „Archiv Masurenreisen“ veröffentlicht.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse und viel Freude beim Weiterlesen!

Litauen–Masuren–Studienfahrt 2026

 

„Auf Wegen und Wellen – von der Kurischen Nehrung bis Masuren“


25. Mai – 2. Juni 2026

 

Die diesjährige Masuren-Studienfahrt führt uns erneut in die faszinierende Landschaft des ehemaligen Ostpreußens – eine Region, in der sich Natur, Kultur und Geschichte auf besondere Weise verbinden.

Ein besonderer Höhepunkt erwartet uns gleich zu Beginn: die Schifffahrt von Kiel nach Klaipėda (Memel). Von dort aus verbringen wir zwei Tage auf der Kurischen Nehrung, deren Dünen, Kiefernwälder und das Zusammenspiel von Meer und Haff zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen des Baltikums zählen.

Im Anschluss führt unsere Reise weiter nach Masuren, in das „Land der tausend Seen“. Hier entdecken wir die weiten Wasserlandschaften, besuchen bedeutende historische Stätten und begegnen den Spuren der deutsch-litauisch-polnischen Kulturgeschichte, die diese Region bis heute prägen.

 

Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an:
info@freunde-masurens.de

 

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